Die beiden Automechaniker wussten von nichts. Im Dezember 1970 schleppten sie ein Auto bei der Eisenbahnunterführung in Richtung Arnshausen ab. Die Insassen: Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF). Die Mechaniker erfuhren erst nach mehr als einem Jahr von der Polizei, wen sie damals abgeschleppt hatten. Doch das war nicht die einzige Geschichte, die die Terrororganisation mit der Kurstadt an der Saale verbindet. Für einige Tage versteckten sich Ulrike Meinhof, Beate Sturm, Holger Meins und weitere Mitglieder der RAF in einem alten Sanatorium. Den Bad Kissingern blieben die Ereignisse vor 50 Jahren zunächst verborgen. Die Terroristen verhielten sich unauffällig. Dass der Aufenthalt in der Kurstadt überhaupt bekannt ist, liegt an einem Gerichtsverfahren aus dem Jahr 1972 und dem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel".

Sanatorium als Unterkunft

Den Entschluss, das Hauptquartier nach Bad Kissingen zu verlegen, fassten die Mitglieder der RAF am 13. Dezember 1970. Aus der Zwei-einhalb-Zimmer Wohnung in Frankfurt ging es in ein altes, leerstehendes Sanatorium in der Bergmannstraße. Die Eigentümerin der "Villa Sanitas", die Psychologin Monika Seifert-Mitscherlich war eine Bekannte von Ulrike Meinhof. Im Prozess, der 1972 stattfand, äußerte sie sich zu der Beziehung mit der Terroristin: "Wir mochten uns schon sehr." Kennengelernt hatten sich die beiden gegen Ende der 50er Jahre in Münster. Das Haus habe sie der Bande jedoch nicht wissentlich überlassen. "Wir haben den Schlüssel wahllos jedem gegeben, der da hinfahren wollte", teilte Seifert-Mitscherlich dem Spiegel mit. Das Aufschließen einer Haustür war nicht zwingend erforderlich, boten doch Kellerfenster zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten.