Die Bayerische Teststrategie gilt seit 1. Juli 2020. Seitdem ist es allen bayerischen Bürgern möglich, sich auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen zu lassen. Zudem gab es eine verbesserte Strategie für Testungen in Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Kindergärten. Was bedeutet das?

Dr. Christian Staab, vom Gesundheitszentrum Bad Bocklet/Burkardroth, teilt mit: "Es ist mit viel Aufwand stemmbar. Wir haben viele Ärzte und Mitarbeiter - ohne die wäre es so nicht möglich." Derzeit kümmerten sich jeden Vormittag je ein Arzt und eine Mitarbeiterin um das Testen.

Ablehnen können die Ärzte nur wenige Patienten. Staab erklärt: "Wir sind eine Schwerpunktpraxis, würden jetzt Patienten aus Hammelburg oder Schweinfurt kommen, verweisen wir darauf, dass es dort eigene Schwerpunktpraxen gibt."

Tests "fressen" Kapazitäten

Anfangs habe man noch einige Patienten zur Corona-Teststrecke in Oerlenbach geschickt. "Das war, als wir noch nicht genug Kapazitäten hatten was Schutzkleidung oder Abstrichröhrchen angeht", sagt Staab. Mittlerweile ist das anders: "Wir haben seit Wochen niemanden mehr hinschicken müssen." Symptome braucht es nicht, um getestet zu werden. Für Staab ist das aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar.

Denn: "Das frisst nicht nur bei uns, sondern auch in den Laboren unnötige Kapazitäten." Die direkte Folge daraus: "Es dauert dadurch länger, bis die Ergebnisse da sind."

Eine andere Ärztin aus der Region, die ungenannt bleiben möchte, erzählt: "Ich teste nur eigene Patienten, alles darüber schaffe ich logistisch nicht. Ich müsste sonst persönliche Freizeit opfern." Sie rechne fünf bis zehn Minuten pro Patienten. "Jetzt stellen Sie sich vor, es kommen 20 Patienten am Tag. Und zwischendurch noch ein Notfall, um den ich mich kümmern muss."

Knappes Material in der Praxis

Zudem sei das Material knapp. Jedoch bekäme sie etwas mehr Teströhrchen, weil sie Reihentestungen mache. Diese werden in Einrichtungen vorgenommen, die ein vergleichsweise hohes Risiko haben, dass sich eine Infektion mit SARS-CoV-2 schnell verbreitet. Also Krankenhäuser, Altenheime oder Kindergärten. Trotz des "extra Materials" sei die Masse an Testpersonen für die Ärztin zu viel: "Das Gesundheitsamt schickt andauernd Leute für Reihentestungen. Das ist beim besten Willen nicht zu schaffen."

Kompliziert sei zudem die Abrechnung: Sie unterscheide sich, je nachdem, ob es sich um eine Testung ohne Symptome, eine Reihentestung, eine Kontaktperson oder anderes handele. Die Ergebnisse rufe die Ärztin auf der Seite des Labors ab. Patienten mit Internet haben zusätzlich die Möglichkeit, ihre Testnummer einzugeben und selbst nachsehen. In der Praxis Staab gehen die Ergebnisse per Fax oder Post ein. "Diejenigen mit negativem Ergebnis kontaktieren wir.

QR-Code für die Warn-App

Positiv-Geteste erhalten sowohl von uns, als auch vom Gesundheitsamt Meldung." Mit dem Testergebnis erhalten die Patienten zudem einen QR-Code. Mit dem Smartphone lässt sich darüber das positive Ergebnis in die Corona-Warnapp einpflegen. "Alle, die in der Nähe des Patienten waren und die App installiert haben, werden dann darüber informiert, dass sie womöglich Kontakt zu einem positiven Corona-Fall hatten." Darauf könne das Umfeld dann beispielsweise mit selbstauferlegter Quarantäne oder einem Corona-Test reagieren.

Testen ohne Symptome?

Durch die bayerische Teststrategie, die seit 1. Juli 2020 läuft, ist es möglich, sich auch ohne Symptome testen zu lassen. Die Kosten dafür übernimmt der Freistaat Bayern. Es liegt jedoch in der Entscheidung der Ärzte, ob sie testen. Sie haben begrenzte Ressourcen und lassen Personen mit Symptomen oder Rückkehrern den Vorrang.

Was tun bei Symptomen?

Wer Symptome hat, sollte sich telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Die Kosten übernimmt dann die Krankenversicherung. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Testung aller Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung. Es ist wichtig, bei Symptomen nicht unangemeldet in die Praxis zu kommen. Die meisten Ärzte bieten mittlerweile eine Infektionssprechstunde für Personen mit Symptomen an.

Wie erfahre ich mein Ergebnis?

Der Arzt informiert die Getesteten bei einem negativen Ergebnis. Bei positiven Testergebnisses setzt sich das Gesundheitsamt oder der Arzt mit dem Getesteten in Verbindung. Die Arbeitsstelle informiert der Arzt nicht. Manche Labore bieten den Service für Patienten, sich mit ihrer Testnummer einzuloggen und das Ergebnis ebenfalls einsehen zu können. Das verwendete RT-PCR-Testverfahren weißt zwei Gene nach. Dieser Test ist sehr sicher.

Wozu ist die Teststrecke gut?

Im Landkreis Bad Kissingen gibt es eine Teststrecke, die sich in Oerlenbach befindet. Je einer von drei externen Ärzten, sowie ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien dort vor Ort, so Pressesprecherin Lena Pfister vom Landratsamt Bad Kissingen. Die Terminvergabe läuft über das Gesundheitsamt. Ärzte können dort Patienten für eine Testung anmelden.

"Darüber hinaus werden dort auch Kontaktpersonen, die sich in Quarantäne befinden oder Reiserückkehrer getestet", heißt es weiter. Der Gesundheitsamtsmitarbeiter bringe die Proben nach den Testungen ins Labor Laboklin nach Bad Kissingen. Ist das Ergebnis positiv, teile das Gesundheitsamt dies umgehend mit. Negative Ergebnisse teilen je nach Anmeldung der Hausarzt oder das Gesundheitsamt mit.

Urlaub während Corona: Das gilt es für Urlaubsrückkehrer zu beachten

Wer muss sich testen lassen? Urlauber, die aus einem Risikogebiet zurückkehren, müssen einen Corona-Test vorlegen, wenn Polizei oder Gesundheitsbehörden sie auffordern. In Bayern sind Corona-Tests kostenlos. Einreisende aus anderen Bundesländern können sich bis 72 Stunden nach ihrer Einreise kostenlos testen lassen. Das gilt auch für Rückkehrer, die nicht in einem Risikogebiet waren. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht tagesaktuell, welche Region ein Risikogebiet darstellt.

Wer braucht keinen Test? Urlauber, die nicht in einem Risikogebiet waren, brauchen keinen Corona-Test. Wer ohne Zwischenaufenthalt durch ein Risikogebiet durchgereist ist, braucht ebenfalls keinen. Reisende aus Risikogebieten müssen sich dann in Deutschland nicht mehr testen lassen, wenn sie im Ausland höchstens 48 Stunden vor der Einreise getestet wurden. Das Labor muss in Deutschland anerkannte Qualitätsstandards erfüllen. Die kostenlosen Tests für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten gibt es noch bis 15. September.

Welche Pflichten haben Urlauber, wenn sie aus einem Risikogebiet zurückkehren?

Sie müssen sich testen lassen. Außerdem sind sie verpflichtet, sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben und sich beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Bei Bus-, Zug- und Flugzeugreisenden passiert dies automatisch mit dem "Aussteigerschein". Wer mit Pkw aus einem Risikogebiet kommt, müssen sich selbstständig beim Landratsamt im Ausländeramt melden. Sobald ein negativer Testergebnis vorliegt, sind die Urlauber aus der Quarantäne entlassen. Wer sich nicht testen lässt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro. Ab Oktober soll eine neue Regelung greifen: Urlauber aus Risikogebieten sollen sich dann mindestens fünf Tage, bevor ein negativer Test die Quarantäne beendet.

Wo wird getestet? Wer mit dem Flugzeug nach Bayern kommt, wird an den Flughäfen in München, Nürnberg und Memmingen getestet. Für Zugreisende gibt es Teststationen an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg. Für Autofahrer gibt es Teststationen auf Autobahnen, etwa auf der A8 (Rastanlage Hochfelln-Nord), auf der A93 (Rastplatz Heuberg) sowie der A3 (Rastanlage Donautal-Ost). Wer auf anderem Weg zurückkehrt, lässt sich zuhause testen, etwa beim Hausarzt.

Wie läuft der Test ab? Die Saale-Zeitung macht den Selbsttest:

Nachdem ich telefonisch einen Termin vereinbart habe, fahre ich zur Praxis. Dort klingele ich. Eine Arzthelferin begrüßt mich an der Tür und nimmt meine Gesundheitskarte entgegen. Weil sich noch eine Person in der Praxis befindet, schließt sie die Tür wieder und bittet um Verständnis: So könne das Ansteckungsrisiko reduziert werden. Es ist die Infektionssprechstunde. Das heißt, jetzt kommen die Personen, die einen Coronatest brauchen. Weil sie Symptome zeigen, weil ihre Corona-App sie gewarnt hat oder weil sie aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind. Kurz nachdem der Patient vor mir die Praxis verlässt, öffnet die Ärztin mir die Tür. Gehüllt in eine FFP-2-Maske, einem Visier, einem Schutzkittel und Handschuhen. Sie lässt mich herein und ich desinfiziere meine Hände. Dann setze ich mich auf die Liege des Untersuchungszimmers. Ich soll meine Maske abnehmen, meinen Mund öffnen und "A" sagen. Die Ärztin steckt mir das Stäbchen in den Hals, es ist nicht wirklich unangenehm. Sie würde es nicht durch die Nase machen, es würde durch den Mund genauso funktionieren, meint sie. Sie reicht das Stäbchen in den Nebenraum, wo es zur Abholung bereitgemacht wird. Ein paar Minuten später holt ein Fahrer die Teststäbchen ab. Vom Test selbst spüre ich nur noch ein leicht ungewohntes Gefühl im Rachenraum. Zahlen muss ich wie alle Bayerischen Bürger nichts. Einen Tag später kann ich mich auf der Seite des Labors einloggen und mit Angabe meiner Testnummer, meiner Postleitzahl und meinem Geburtsdatum das Ergebnis abrufen. Es ist negativ.