Dass der Gemeinderat gerne heiß diskutiert - vor allem zum Thema Kühlhalle - ist mittlerweile bekannt. Doch alle sind an einem guten Miteinander bemüht: So las Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) in der Sitzung am Dienstag eine Entschuldigung vor, weil er in der vorherigen Gemeinderatssitzung einen "sehr großen Fehler begangen" habe.

Er hatte den Bürgerblock in der Sitzung vom 6. Juli angegangen, weil die Mitglieder einen nicht-öffentlichen Redebeitrag Hofmanns durch einen Antrag in den öffentlichen Teil gebracht hätten. Das hatte für Unmut gesorgt. Es stellte sich heraus, dass diese Beschuldigung nicht der Wahrheit entsprach: Die Diskussion fand im öffentlichen Teil statt.

Von Comedy bis Fun-Metal-Band

Klaus Beck (Bürgerblock) sagte im Namen des Bürgerblocks: "Ich möchte die Entschuldigung offiziell annehmen. Das zeigt auch Größe von dir." Fehler passierten, und sie wollten doch alle gemeinsam etwas erreichen. Danach widmete der Gemeinderat sich den Tagesordnungspunkten. Einer davon war das Budget für das Highlight der 1250-Jahr Feierlichkeiten im nächsten Jahr: Das Budget für das Hauptfest im Juli machte Probleme.

Vorgesehen sind unter anderem freitags das Comedy Duo Mundstuhl, am Samstag die Fun-Metalband JBO und am Sonntag ein Familientag mit örtlichen Kapellen, Bands, Künstlern und Künstlerinnen. Die Vereine stehen zu dem Programm des Festes. Sie übernehmen Organisation und Umsetzung. Zum Arbeitskreis Hauptfest gehören zum einen Reinhold Reiher, der beim Heimatverein aktiv ist und Sebastian Fell, der bei der Feuerwehr aktiv ist. Außerdem Gemeinderatsmitglied Klaus Beck.

Budget müsste um 40 000 Euro steigen

Für das Fest hatte der Gemeinderat im Dezember 2020 ein Budget von 60 000 Euro festgelegt. Die bisher berechneten Ausgaben belaufen sich jedoch auf 86 800 Euro. Eine Hälfte davon sind die Ausgaben für die Hauptattraktionen, die andere Hälfte sind Fixkosten. Es sind jedoch noch keine Kosten für beispielsweise Helfershirts, Essen- und Getränkebons, Versicherung und weiteres entschieden und daher noch nicht mit einberechnet.

Es gibt drei Möglichkeiten, wie Hofmann ausführt: die Hauptattraktionen streichen oder Eintritt verlangen, um das Budget nicht zu sprengen. Oder: Eine Budgeterhöhung um 40 000 auf 100 000 Euro, um das Hauptfest wie geplant stattfinden zu lassen. Eintritt ist jedoch auch hier geplant.

Die Geschäftsleitung weist jedoch darauf hin, dass die Gemeinde in den folgenden Jahren die Rücklagen von 5,5 Millionen Euro (Stand Juli 2021) für wichtige Investitionen wie den Schulneubau auflöst. Dieser wird sich auf über zehn Millionen Euro belaufen, schätzt Fabian Röder aus der Finanzverwaltung.

"Die geplanten und teilweise bereits vom Gemeinderat beschlossenen großen Investitionen werden die gewohnten Handlungsspielräume der Vergangenheit einschränken", lautet die Stellungnahme der Geschäftsleitung.

Nüdlingen vergleichsweise spendabel

Sebastian Schäfer (SPD) stellte den Antrag, das Budget auf 120 000 Euro zu erhöhen. "Ich möchte nicht in ein paar Wochen wieder hier sitzen und noch mal 10 000 Euro nachgenehmigen", sagte er. Volker Schäfer (SPD) erkundigte sich, wie viel die Jubiläen benachbarter Kommunen kosteten. Die Verwaltung hatte darauf keine Antwort. Euerdorf und Elfershausen hatten ein Budget von 40 000 Euro, sind jedoch viel bevölkerungsschwächer als Nüdlingen. Münnerstadt hatte für das Hauptfest 60 00 Euro geplant.

Viele Gemeinderatsmitglieder äußerten, dass ihnen die Entscheidung nicht leicht falle. Aber auch, dass ein solches Fest ja nur alle 50 Jahre stattfinde und es daher ein großes sein solle. Und wie Volker Schäfer es ausdrückte: "Nach eineinhalb Jahren Pandemie und vielleicht noch einem harten Winter müssen wir es schaffen, unsere Vereine aus der Lethargie heraus zu bekommen. Wir müssen die Vereine beatmen und denen zeigen, dass wieder was geht."

Die Gegenseite meldet sich

Nach den Redebeiträgen meldete sich der Bürgermeister selbst zu Wort. Er habe viel nachgedacht: Die Gemeinde würde viel Steuergeld der Bürger und Bürgerinnen für das Fest in die Hand nehmen. Zudem müssten diese aber auch noch einmal Geld für Eintritte zahlen, um die hohen Kosten wieder zu decken. "Ich habe es als Bürgermeister nicht leicht. Ich habe auf der einen Seite das große Engagement des Arbeitskreises, auf der anderen Seite sind das die Gelder unserer Bürger, die wir jetzt nehmen." Florian Wilm (Bürgerblock) stimmte ihm zu.

Der Gemeinderat lehnte den Antrag von Sebastian Schäfer über eine Erhöhung von 120 000 Euro ab. Mit drei Nein-Stimmen erhöhten die Räte das Budget von 60 000 auf 100 000 Euro für das Hauptfest. Das Budget für alle Jubiläums-Festlichkeiten über das ganze Jahr - mit Hauptfest - steigt damit von 146 800 auf 186 800 Euro an.