Am 19. Januar hatte die Polizei die Fahndung nach einem 47-jährigen Sexualstraftäter öffentlich gemacht. Die Verunsicherung bei vielen Eltern war groß. Jetzt können sie aufatmen: Der verurteilte Sexualstraftäter, der am 6. Januar von einem genehmigten Spaziergang auf dem Gelände des Ansbacher Bezirkskrankenhauses nicht zurückgekehrt war, ist in Frankfurt am Main gefasst worden.
 

Wie die Polizei mitteilte, wurde der Gesuchte am Montagmittag im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen festgenommen. Eine Passantin hatte die Polizei alarmiert, weil sich ein Mann, auf den die Beschreibung des Flüchtigen zutraf, den Weg zu einer sozialen Einrichtung hatte erklären lassen. Zivilen Beamten gelang es kurz darauf, den 47-Jährigen festzunehmen. Der Mann wurde zurück nach Ansbach gebracht.


In den sozialen Medien überschlagen sich die Meldungen

Seitdem mit Lichtbildern nach dem 47-Jährigen gesucht wurde, waren bei der Polizei immer wieder Hinweise eingegangen. Vor allem in den sozialen Medien hatten sich die Meldungen über den möglichen Aufenthaltsort überschlagen. Unter anderem sollte der 47-Jährige im Raum Würzburg und im Landkreis Fürth vor Kindergärten gesehen worden sein. Aufgegriffen wurde er aber nicht. "Es sind Hinweisen aus ganz Deutschland eingegangen. Eine heiße Spur gibt es noch nicht", hatte Anita Traud von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montagvormittag noch gesagt.
 


Seit 25 Jahren in Klinik

Der 47-Jährige war Anfang der 90er Jahre laut Polizei "wegen Sexualdelikten von erheblicher Bedeutung" zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Gericht ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Der 1,60 Meter große und 100 Kilogramm schwere Mann lebte seither in der Fachklinik in Ansbach und hatte zuletzt regelmäßig Ausgang. "Es ist eher ungewöhnlich, dass jemand nicht von einem Spaziergang zurückkehrt, der schon so lange in einer Klinik untergebracht ist", so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
 


Rechtliche Vorgaben bei öffentlicher Fahndung

Dass erst knapp zwei Wochen nach dem Verschwinden öffentlich nach dem 47-Jährigen gefahndet worden war, begründete Traud mit den gesetzlichen Bestimmungen. Nach Paragraf 131b der Strafprozessordnung ist die Veröffentlichung von Lichtbildern eines Beschuldigten zwar zulässig, wenn der Gesuchte einer Straftat von erheblicher Bedeutung verdächtig wird. Allerdings würde man zunächst versuchen, alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen. Erst dann würde man sich an die Öffentlichkeit wenden. Im Fall des 47-Jährigen hatte das Amtsgericht Nürnberg auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth die Öffentlichkeitsfahndung beschlossen.


Ausgang in forensischen Kliniken

Kliniken für forensische Psychiatrie sind sogenannte Maßregelvollzugseinrichtungen, mit dem Auftrag, den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten und die psychischen Erkrankungen der Patienten zu behandeln. Ziel ist im Idealfall eine weitest mögliche Resozialisierung.

Dieser Behandlungsprozess besteht unter anderem auch aus Lockerungsmaßnahmen. Diese sind in bayernweit einheitliche Stufen eingeteilt. Ab der Stufe B dürfen sich Patienten ohne Begleitung frei bewegen. Dies gilt zunächst nur für das Klinikgelände, in Stufe C dann auch beispielsweise für Aufenthalte in der Stadt. Sobald Ausgänge ohne Begleitung des Fachpersonals stattfinden, bedarf es einer vorherigen Anhörung der Staatsanwaltschaft. Ob und wie eine Lockerungsstufe veranlasst wird, ist abhängig von der Vorgeschichte und dem bisherigen Therapieverlauf.