Abgefaulte Dachbalken, gesperrte Stockwerke und Lagerhallen, die bei Hochwasser überschwemmt werden: Die denkmalgeschützte Lindesmühle ist nicht unbedingt der ideale Standort für den Servicebetrieb der Stadt Bad Kissingen. Deshalb wurde bereits darüber nachgedacht, für die 92 Mitarbeiter oberhalb der Kläranlage neu zu bauen. Diese Pläne sind nun zumindest vorerst vom Tisch: Der Bauausschuss gab Betriebsleiter Jürgen Kober grünes Licht, ein Konzept für die Sanierung des aktuellen Standortes auszuarbeiten.

"Wir haben zu gewährleisten, dass unsere Jungs ordentlich untergebracht sind", sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Durch die Investition erhofft er sich eine erhöhte Arbeitssicherheit und Effizienz. Ein Argument gegen den Neubau und für die Sanierung: "Wir hätten dann trotzdem die denkmalgeschützte Immobilie." Der OB kann sich nicht vorstellen, dass es einen Investor für die Lindesmühle gibt.

Rund fünf Millionen Euro würde ein Neubau an der Kläranlage kosten, sagte Baudirektor Hermann Schober. Stattdessen gibt es zwei Ausbauvarianten für den aktuellen Standort. In beiden Fällen ist die Sanierung der denkmalgeschützten Fassade zur Saale hin mit einer halben Million Euro enthalten. Die Verwaltung soll in einen Anbau in Richtung Südbrücke umziehen. Kosten alleine dafür: 1,14 Millionen Euro.

Teurer, aber hochwassersicher

Der große Unterschied zwischen den beiden Varianten: In einem Fall soll eine komplett neue Halle für die Kraftfahrzeuge entstehen. Der Baugrund dafür solle um rund 1,10 Meter angehoben werden. Die zweite Variante sieht lediglich einen Umbau der bestehenden Gebäude für 1,36 Millionen Euro vor. Insgesamt würde die einfachere Variante 3,6 Millionen Euro, die Variante mit Hochwasserschutz 4,2 Millionen Euro kosten.

Die Mehrheit des Bauausschusses tendierte zur teureren Variante. Das ist ganz im Sinne von Betriebsleiter Jürgen Kober: "Bei der kostengünstigeren Variante hätten wir ja noch die ganzen alten Gemäuer, auch wenn die ertüchtigt werden, könnten wir die Räume nicht richtig nutzen." Zudem ist ein hochwasserfreier Betriebshof aus Kobers Sicht unerlässlich: "Wir sind schließlich Modellstadt für den Hochwasserschutz."

Der Servicebetrieb kümmert sich um Gärtnerei, Forst, Abfallwirtschaft, und betreut unter anderem die 141 Fahrzeuge der Stadt - "vom Feuerwehrauto bis zum Müllauto". 119 Mitarbeiter hatte Kober noch vor zehn Jahren, jetzt sind es noch 92 Beschäftigte, die sich insgesamt 85 Vollzeit-Stellen teilen. "Den Personalabbau haben wir abgeschlossen", geht Kober davon aus, dass der jetzige Stand bleibt. Sonst seien die Aufgaben nicht zu erfüllen.
Umso wichtiger ist dem 53-Jährigen nach der Umstrukturierung der Umbau: "Ich kenne die Lindesmühle jetzt seit 32 Jahren und seitdem hat sich nicht viel verändert." Und der Investitionsstau geht noch weiter zurück: "Baulich sind wir im Prinzip auf dem Stand des Jahres 1900", sagt Kober und verweist auf alte Fotografien und den schlechten Zustand der Mühle.