Kurdirektorin Andrea Schallenkammer will an die große Vergangenheit des Staatsbades anknüpfen: "Früher gab es mal eine Sinn-Promenade", berichtet sie. Deshalb wurde bereits vor Jahren das Ufer des Wildbaches überplant. Auch wenn immer nur kleine Bereiche in Angriff genommen werden, das große Ziel verliert Schallenkammer nicht aus den Augen: "Wir wollen das Thema Wasser wieder mehr in die Köpfe bekommen."

Spaziergänge an der Sinn

Einige Abschnitte der Sinn in Höhe des Schlossparkes wurden bereits umgestaltet: An der Heizzentrale fielen jede Menge Bäume, was auch auf Kritik stieß. "Mittlerweile ist das ja wieder etwas zugewachsen", freut sich auch Schallenkammer, dass die Wunde nicht mehr ganz so stark klafft. In Höhe des Badhotels wurde der Uferweg bereits zur Promenade umgestaltet. "Jetzt kann man richtig schön an der Sinn entlangspazieren, auch mit einem Kinderwagen, und erleben, ob die Sinn gerade viel oder wenig Wasser führt", freut sich die Bad Brückenauer Kurdirektorin.

Derzeit kommt der nächste Mosaikstein dazu: Als "beleuchtetes Deck" bezeichnet Schallenkammer das jüngste Projekt. Unmittelbar oberhalb der so genannten Bischofsbrücke wurde eine rund 400 Quadratmeter große Fläche abgegraben. Dabei fanden sich alte behauene Steine, mit denen das Sinn-Ufer nun neu gestaltet wird. "Uns geht es um einen möglichst naturnahen Verbau, der aber nicht unterspült wird", sagt Norbert Englert, der die Bauarbeiten der Unterleichtersbacher Firma Romeis im Namen des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Bad Kissingen begleitet. "Und wir machen die Feingestaltung", ergänzt Robert Hildmann, Leiter der Schlossgärtnerei: Der abgesenkte Bereich werde zur Hälfte mit Rasen und zur Hälfte mit einem Holz-Deck angelegt.

"Da entsteht ein richtig schöner Platz", freut sich Kurdirektorin Andrea Schallenkammer über die Neugestaltung im Herzen des Schlossparks. Und dabei müsse die Staatliche Kurverwaltung sogar nur einen Teil der Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro tragen: "Die Wasserwirtschaft unterstützt uns hier sehr", sagt Schallenkammer über die Vereinbarung mit dem Wasserwirtschaftsamt.

Behörde ist Baulastträger

"Die Sinn ist ein ausgebauter Wildbach, deshalb sind wir Baulastträger", berichtet Martin Rottenberger, Sachgebietsleiter am WWA. Der Antrag der Kurverwaltung stieß bei ihm sofort auf offene Ohren: "Schließlich fordern wir ja auch immer flache Ufergestaltung."

Gerade unmittelbar oberhalb der Bischofsbrücke, die ein Nadelöhr im Sinntal bildet, werde sich die Maßnahme sicherlich auch positiv bei Hochwasser auswirken: "Die Abflachung sorgt dafür, dass sich das Wasser dort beruhigt und gleichmäßiger in die Engstelle fließt." Durch geringere so genannte Schleppspannungen gebe es weniger Schäden an der Sohle und den beiden Ufern der Sinn. Wie stark das Wasser dort nagt, sei an den Ausspülungen auf der anderen Sinnseite deutlich sichtbar: "Weiche Ufer halten dem Hochwasser besser stand", hofft Rottenberger.

"Dass die Kurverwaltung den Bereich in der zweiten Reihe attraktiver gestaltet, ist natürlich auch in unserem Sinn", sagt Rottenberger weiter. Deshalb werde mit den vor Ort ausgegrabenen behauenen Sandsteinen auch eine Treppe bis zur Sinn hinunter gebaut, auch wenn die Sinn leider nicht zum Baden geeignet sei.