Friedrich Schumm spannt die Leine. An deren Ende schwebt ein Ballon. 50 Meter ist die Schnur lang. Die Masten von "SuedLink" sind höher. "Wir haben schon den Dreck von der Autobahn, wir brauchen nicht noch den Dreck von SuedLink", ruft Ingo Queck, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse". Die Menge tobt. Mehr als 250 Menschen machen ihrem Unmut vor der Georgi-Halle Luft. Die Bürgerinitiativen aus Schondra, Elfershausen und Wasserlosen haben sich dem Protest der Brückenauer angeschlossen und sich mit Schildern und Trillerpfeifen bewaffnet.

"Der Rhöner Biosphäre kommt keine Trasse in die Quere!"

Die Emotionen sind mit Händen zu greifen. "Wir sind auch das Volk!", ruft ein alter Mann in Anlehnung an die Montags-Demos in Leipzig vor 25 Jahren. "Wir sind auch das Volk!", antwortet die Menge. Jürgen Pfister (PWG), der als Vertreter für Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) gekommen ist, die gerade im Urlaub ist, überreicht 2000 Unterschriften gegen "SuedLink" an Tennet: "Bad Brückenau steht auf und sagt ganz klar Nein zur Trasse!" Dann greift Erwin Miller, der zusammen mit Queck die Brückenauer Initiative anführt, zur Trompete. "Gott mit uns, du Land der Franken", singen die Menschen. "Er bewahre unsren Kindern ihre Heimat unversehrt und verhindre für die Zukunft, dass der Wahnsinn wiederkehrt!" Pfeifen, Klappern, Trillerpfeifen.

"Unsere Heimat, spitzt das Ohr, ist kein Trassenkorridor!"

Dann tritt Franz Zang ans Mikrofon. "Was wir hier haben, ist ein Bundesgesetz", sagt der Leiter der Kreisgruppe vom Bund Naturschutz. "Tennet hat die Aufgabe, umzusetzen, was die Bundesregierung beschlossen hat. Also seien Sie nett zu den Damen und Herren. Die machen ihren Job."

Protest hat München erreicht
Stille. Die Sommerhalle, in der Tennet ihre Pläne präsentiert, ist wie leer gefegt. Mit konzentrierten Gesichtern stehen Thomas Wagner, Referent für Bürgerbeteiligung, und Christoph Thiel, Gesamtprojektleiter für "SuedLink" vor der Bühne. Naturgemäß haben sie eine andere Sicht auf die Energiewende als Zang und die Demonstranten. Den dritten Tag in Folge lassen sie die Rufe über sich ergehen, nehmen Unterschriften entgegen, gehen trotzdem auf die Bürger zu.

"Kein Beschluss, der in einem politischen Gremium getroffen wird, ist unumstößlich", sagt Landrat Thomas Bold (CSU). Dann zitiert Bold den Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) mit der Frage, ob es diese Stromtrasse überhaupt brauche. "Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann man darüber diskutieren, wo die Trasse hinkommt!", sagt Bold und kündigt an, juristisch gegen "SuedLink" vorgehen zu wollen.

Sandro Kirchner (CSU) trifft ein. Er kommt direkt aus München. Als Abgeordneter für den Landkreis Bad Kissingen sitzt er im Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags. "Alle Beschwerden sind einstimmig gewürdigt worden", berichtet er den Demonstranten von der Ausschusssitzung just an diesem Tage. Das Ende bleibe zwar offen, die Argumente der Bürger seien aber in München angekommen. Und dann brüllt die Menge noch einmal. Es wird nicht das letzte Mal sein:

"Wir die Masse gegen die Trasse!"