Der Außenbereich des Kindergartens "Kleine Strolche" in Winkels ist eine Baustelle. Ein Arbeiter verdichtet mit einer Rüttelplatte aufgeschüttete Erde. Drinnen drücken sich Kinder die Nasen an den Scheiben platt, um dem Bagger zuzusehen. Der Kindergarten wird für 470 206,16 Euro (aktueller Stand) saniert und erweitert. Eigentlich hätten die Baukosten um 41 200 Euro niedriger sein sollen, aber der Trockenbau und die Außenanlagen haben sich verteuert, außerdem wurde eine neue Heizung fällig. "Wir hoffen, dass es nicht noch mehr wird", sagt Kindergartenleiterin Andrea Böhm.

Sinnberg-Kita am teuersten

Die Kostenentwicklung in Winkels ist im Vergleich zu anderen Projekten noch moderat. Der "Maria-Stern"-Kindergarten in Hausen ist um 139 000 Euro, der Sinnberg-Kindergarten um 300 000 Euro teurer geworden. Allein am Sinnberg zahlt die Stadt 75 000 Euro drauf.

In Sachen Kindergärten gilt: Wo die öffentliche Hand baut, steigen die Kosten. "Bisher haben sich alle Maßnahmen verteuert", bestätigt der stellvertretende Kämmerer Stefan Lang. Warum? In Winkels und am Sinnberg handelt es sich um komplizierte bautechnische Fragen. "Wir sind als Laien an das gebunden, was der Architekt uns sagt." Fairerweise ist anzumerken, dass die Stadt Bad Kissingen bei den Kindergärten nicht als Bauherr auftritt. Bauherren sind die Träger, in Winkels etwa die Katholische Kirchenstiftung St. Bonifatius, beim Sinnberg-Kindergarten ist es die Theresienspitalstiftung. Die Träger stehen im Kontakt zu den Architekten. Sie entscheiden, welche Firma welche Arbeiten ausführt. "Ich wünsche mir Kostensicherheit. Wir versuchen die zu erreichen", sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) auf der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses. Die Stadt sei froh, dass die Träger unter ehrenamtlichen Aufwand die Einrichtungen betreiben. Dennoch: "Das heißt nicht, dass wir mit der Kostenentwicklung glücklich sind."

Generalsanierung angemahnt

Seit 2002 investieren die Stadt und die Träger verstärkt. Die Kindergärten werden nach und nach erneuert und ausgebaut. Sieben Maßnahmen sind bereits abgeschlossen, fünf weitere laufen, die Sanierung des Kliegl-Kindergartens wird wohl nicht vor Ende 2015 beendet sein. Hier befindet man sich erst in der Planungsphase. Alles in allem plant die Stadt mit 7,5 Millionen Euro, mit denen sie sich beteiligt. Allerdings steht nach den bisherigen Entwicklungen ein großes Fragezeichen, ob die Summe ausreicht.

Das nächste Projekt, das teurer wird, steht mit dem Kliegl-Kindergarten bereits in den Startlöchern. Alter Planungsstand: 612 000 Euro. "Das ist nicht zu schaffen", sagt Sefan Lang. Wie er dem Finanzausschuss berichtete, wurden die Planungen mehrfach und umfassend angepasst. 15 Krippenplätze werden benötigt, Brandschutz und Rettungsweg sollen erneuert werden, außerdem braucht es neue Stromleitungen und Heizungsanlagen. Lang "Fakt ist, dass es nach Ansicht der unterfränkischen Regierung darauf hinausläuft, dass es eine Generalsanierung gibt", sagte er. Nur so könne der Kindergarten staatliche Zuschüsse erhalten. Wichtige Zuschüsse, die den Geldbeutel der Stadt entlasten.

Architekt weist Kritik zurück

Kliegl teurer, Winkels teurer, Sinnberg teurer. Die Stadträte reagierten auf die dargestellten Entwicklungen verärgert. Klaus Werner (Grüne) forderte eine realistischere Planung. "Wer begutachtet so etwas? So kommen wir nie aus der Problematik von Preissteigerungen von mehr als zehn Prozent raus." CSU-Stadtrat Steffen Hörtler schoss in Richtung Sinnberg-Neubau und warf dem Architekten wörtlich "Pfusch" vor. "Wir haben eine solche Abweichung. Das ist dem Bürger nicht verständlich zu machen", polterte er.

Architekt Henry Kiesel aus Bad Neustadt weist die Kritik an seiner Arbeit auf Nachfrage der Saale Zeitung deutlich zurück. "Wir hatten einen Schaden. Dieser Schaden ist komplett von meiner Versicherung übernommen worden", betont er. Weder dem Bauherren noch der Stadt seien dadurch Mehrkosten entstanden. Die 300 000 Euro hingen mit Problemen beim Fundament zusammen. Unter dem Altbau habe man nach dem Abriss noch ein zweites Fundament gefunden. "Die Standfestigkeit und die Frostsicherheit war für den Neubau nicht gegeben", erklärt der Architekt. Die Arbeiter mussten tiefer graben. Laut Kiesel haben sie die meisten anderen Kostengruppen um jeweils zwei bis drei Prozent verteuert, was im vertretbaren Rahmen liege.

Während die Kosten nach oben schnellen, sind parallel bis zu 160 000 Euro Förderung verloren gegangen.