Seine Analyse der Europa-Wahl vom Mai dieses Jahres in 28 Mitgliedsstaaten machte allen Zuhörern klar, dass künftig auch europa-kritische Abgeordnete aus den 28 Mitgliedsstaaten im Parlament in Straßburg ihre Stimme zu Gehör bringen. Doch sind die konservativen, die sozialistischen und liberalen Parteifamilien nach wie vor deutlich in der Mehrheit. Das Parlament, so Spatz, sei ab dieser Periode gegenüber der Kommission und dem Rat deutlich gestärkt.
Es sei jetzt Sache der 751 Abgeordneten, die Meinung der Bürger ins Parlament zu tragen und unverständliche Entscheidungen zu verhindern. Die bisherige Informationspolitik der EU nannte Spatz desaströs. Nicht jeder habe verstanden, warum die Bankenrettung mit Hilfe der Europäischen Zentralbank und Rettungsschirm ESM zwingend notwendig war.
Ohne diese Maßnahmen wären die Sparguthaben und die privaten Vermögen in erheblichem Umfang betroffen und auch den "Kleinen Mann" auf das Schmerzlichste getroffen. Eine Wirtschaftskrise in Deutschland wurde abgewendet. "Die Kernschmelze der Banken wurde verhindert", so Spatz.
Aufhorchen ließ der Satz, "Wir haben viel zu lange Frankreich und Großbritannien den Vortritt bei der Besetzung von Spitzenpositionen in der Europäischen Union überlassen". Deshalb dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich deren Staatsverständnis in der "Brüsseler Realität" wieder findet. "In der Welt ist nichts endgültig errungen" sagte Spatz.

Werte sind nicht globalisierbar

Ob die deutsche Wertegemeinschaft den wachsenden Druck von Ländern mit gänzlich anderen Vorstellungen aushält? Menschenrechte, Frauengleichberechtigung, Pressefreiheit, soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und Bürgerrechte wie z. B. Datenschutz seien global nicht leicht durchzusetzen.
Spatz ging auch auf den Ukraine-Konflikt ein und sagte, dass kein Land in Europa alleine für seine Sicherheit sorgen könne - weder ein mittleres wie Österreich noch ein großes wie Deutschland. Nur gemeinsam, nicht als einzelnes Land, können sich Europäer im Weltmaßstab behaupten. Sicherheitspolitik ist nie aus den Augen zu verlieren. Der Ukraine-Konflikt ist für Europa ein Menetekel. Auch die Asylpolitik bedürfe dringend der Abstimmung.