Seit 27 Jahren, also von der zweiten Auflage des Festivals an, kommt Margarita Rath fast jedes Jahr mit ihrem Mann zum Kissinger Sommer. "Wir nennen das unsere Musik-Kur", erzählt die Seniorin aus Hannover. Zwei, manchmal sogar drei Wochen nehmen sich die Raths dafür Zeit. Heuer haben sie Karten für zwölf Konzerte. Das gehe zwar ins Geld, aber: "Wir kommen immer wieder gerne in die herrlichen Konzertsäle", Margarita Rath möchte die Urlaube nicht missen.

Spontan dazu gekommen

"Wir waren schon immer gerne in Franken", erzählt Margarita Rath. Eine Kur führte sie nach Bad Kissingen, die Verbindung von Kur und Kissinger Sommer war ihnen allerdings zu anstrengend, deshalb mieten sie sich seit Jahrzehnten privat ein. Schon seit langer Zeit gehören für die Raths die Berichte von Redakteur Thomas Ahnert in der Saale-Zeitung fest zum Festival (siehe Interview rechts), deshalb kam sie auch zur Premiere des Kissinger-Sommer-Stammtisches in dieser Woche.

"Nicht nur Geschmacksfrage"

"Herr Ahnert fasst das in Worte, was man fühlt", sagt Romana Kochanowski, die jüngste Teilnehmerin des ersten Stammtisches. Für sie ist Thomas Ahnert eine "große Autorität" und nicht wegzudenken von dem Musik-Festival (siehe Beitrag rechts). "Mein Anliegen ist es auch, zu zeigen, dass Musik-Kritik gar nicht so subjektiv ist, wie es oft heißt", sagt Thomas Ahnert selbst. Und: "Es ist nicht nur eine Geschmacksfrage, sondern sollte auch gut begründet sein." Thomas Ahnert stellte zu Beginn des Stammtisches seine Meinung zum aktuellen Konzert kurz vor (siehe Bericht unten). Dabei war ihm vor allem eine Botschaft wichtig: "Sie dürfen natürlich ruhig auch anderer Meinung sein!"

Viele Erinnerungen geweckt

Ausgetauscht wurden aber auch etliche Erinnerungen aus 28 Jahren Kissinger Sommer. "Das Festival ist ja auch wegen der Grenzlandförderung gekommen", berichtete etwa Gerhild Ahnert von den Anfängen. Der Austausch mit der DDR war denn auch viele Jahre bestimmend: "Es war schon ein Wunder, dass man hier die Künstler gehört hat, die man sonst nur aus dem DDR-Fernsehen kannte", erinnert sich etwa Dorothea Seitz. Und Gerhild Ahnert weiß noch, wie das funktionierte: Zum Teil seien die Musiker ganzer Ensembles einzeln eingeladen worden, weil das Gesamt-Orchester Reiseverbot hatte. Dann formierten sie sich in Bad Kissingen unter neuem Namen. Gerhild Ahnert erinnerte auch an einen früheren "Fanclub", der die Arbeit der Intendantin unterstützte: alles zum Wohle des Kissinger Sommers eben.

Termine Die Stammtische finden während des Kissinger Sommers jeden Mittwoch nach dem Konzert statt.

Ort Die Kultur-Interessierten treffen sich in der Weinstube Schubert, Kirchgasse 2.