Arnold Kröber ging die Staatsanwaltschaft direkt an. Deren Vorgehen nannte er "maßlos überzogen": Der Postbeamte und langjährige Bad Kissinger CSU-Chef, beides a. D., trug noch Jogginganzug, als eines Morgens um 9 Uhr Polizisten bei ihm klingelten. Sein Privathaus wurde als eines von 26 Anwesen in Sachen Laudenbach gesucht. Kröber am Donnerstag: Die korrekten Beamten hätten "null gefunden". Seine Frau aber habe sich so sehr aufgeregt, dass sie sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Kröber war der Mitentdecker, Förderer und Spiritus Rektor des damaligen Bad Kissinger OB. Er hält Laudenbach noch heute nahezu vorbehaltlos die Stange. Die Aussage des 71-Jährigen geriet in weiten Teilen zu einer Laudatio auf dessen Wirken. Er stand von 1997 bis 2007 an der Spitze der Bad Kissinger Union. Noch heute gerät er ins Schwärmen, wenn er sich an Nominierungsversammlung und - vor allem - das Laudenbach' sche Wahlergebnis erinnert.

Tag und Nacht im Einsatz

Dessen Programm sei eine "gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit für Bad Kissingen" gewesen. Der "Workaholic" Laudenbach habe "Tag und Nacht für die Stadt gearbeitet." Er habe "Unruhe geschaffen und versucht, den Leuten die Augen zu öffnen", wollte Gäste und Investoren gewinnen. Oft an des OB Seite war Kröber, der für seine Bemühungen von Grundstückkäufern auch ab und an entlohnt worden ist ("alles gemeldet, versteuert und so weiter").

Dann listete er auf, was Laudenbach alles erreicht hatte, sprach von einer "Bilanz, die sich sehen lassen kann". Außen vor blieben allerdings die Fehlschläge, von denen es auch eine ganze Reihe gegeben hat. Später, nach seiner OB-Zeit, habe sich Laudenbach "stark" für das Hotel "Kaiserhof Victoria" engagiert. Er habe zwecks Beseitigung eines Liquiditätsengpasses sogar eine "beträchtliche Summe" eigenes Geld in das Unternehmen gesteckt.

Streit wegen der Sparkasse

Und warum ist dann Laudenbach nicht, wie geplant, für eine zweite Amtszeit angetreten? Hier hat nach Ansicht von Kröber die CSU den "schwarzen Peter". Führenden Mitgliedern habe nicht gepasst, wie sich Laudenbach für die Mitarbeiter der Sparkasse Bad Kissingen eingesetzt hat, die ihren Job verlieren sollten. Das habe zu einer "gewissen Entfremdung" von Teilen der Union und zu einem Riesenstreit geführt. Ein "Spannungsfeld hat sich aufgebaut", sagte Kröber. Wegen der "Gesamtsituation" und auch wegen der angekündigten Kandidatur des damaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Eduard Lintner habe Laudenbach einen Rückzieher gemacht. Er habe die gesamte Partei hinter sich haben wollen. Dafür habe er, so Kröber, Verständnis gehabt "in der Verfassung, in der die CSU damals war".

Der einstige Bad Kissinger Rechtsdirektor und heutige Jura-Professor Matthias Schneider und der Wirtschaftsförderer im Rathaus, Hans-Jürgen ("China-Man") Greiner, haben Laudenbach 2007 auf einer Reise nach St. Petersburg begleitet. Ziel war es, russische Investoren nach Bad Kissingen zu holen. Während Schneider sich noch an vieles erinnerte, hatte Greiner doch erhebliche Gedächtnislücken. Schneider war dabei, um gegebenenfalls baurechtliche Fragen zu beantworten, die dann doch niemand stellte.

Auf Werbetour in St. Petersburg

Gemeinsam haben sie die Kurstadt und ihre leerstehenden Immobilien angepriesen. Der spätere Investor und frühere Oberst Viktor Stolyarchuk sowie der "anderweitig Verfolgte" Raymonds Libers hätten Kontakte geknüpft und sie unterstützt. Laudenbach sei der "Chef der Delegation" gewesen, habe die Stadt und ihre (russische) Tradition vorgestellt. Ergebnis: In der Folgezeit seien mehrfach Russen in Bad Kissingen gewesen. Allerdings könne er deren Besuche dem St. Petersburg-Trip nicht unmittelbar zuordnen, sagte Schneider.

Begrenztes Vergnügen

Das Vergnügen war bei den Russland-Touren nach seiner Darstellung auch eher begrenzt: Ihm sei permanent schlecht gewesen, er habe, weil falsch bekleidet, immer gefroren. Drei Tage sei man fast nur im Stau gestanden.
Greiner nannte seinen damaligen Chef Laudenbach den "ersten Wirtschaftsförderer der Stadt Bad Kissingen". Beide wussten aber nicht, ob der Ex-OB für seine Vermittlungsbemühungen Geld bekommen hat.

Klage gegen die Stadt

Interessantes Detail am Rande: Laudenbach hat einmal sogar die Stadt Bad Kissingen verklagt. Als das Finanzamt bei ihm im Rahmen einer Außenprüfung Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Fahrtkosten feststellte, musste er mehrere Tausend Euro an Steuern nachzahlen. Dieses Geld wollte sich Laudenbach von der Stadt erstatten lassen, erzählte Schneider eher beiläufig.

Aussage verweigert

Der Ex-OB soll, sagt die Staatsanwaltschaft, 434 000 Euro Schmiergeld für die Vermittlung von "Fürstenhof" und "Schweizerhaus" erhalten haben. Die Summe soll in vier Tranchen von Zypern auf Konten der Brüder Laudenbach in Deutschland und Österreich geflossen sein, so die Anklage. Näheres erhoffte sich das Gericht von Franz Laudenbach. Auch gegen den gelernten Bankkaufmann wird ermittelt. Er machte als Verwandter des Angeklagten von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Seine Vernehmung war nach nur wenigen Minuten beendet.

Am frühen Nachmittag ging es für Laudenbach in Polizeibegleitung mit der "Grünen Minna" in die "Villa Rosa". Dort, im Schweinfurter Gefängnis, sitzt er seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Freitag, 25. Juli, fortgesetzt.