Ruhig und beschaulich geht es hier zu: Kein Autolärm stört den Frieden. Wanderer kommen und gehen, machen Rast. Kinder spielen in Sichtweite der Eltern. Ein ganz normaler Tag am Karl-Straub-Haus des Würzburger Rhönklub-Zweigvereins.

"Die Leute mögen die Beschaulichkeit hier oben", sagt Hüttenwirt Robert Voll und deutet mit einem Finger in Richtung Süden: "Der Parkplatz ist ein paar hundert Meter weg von hier, man muss zu Fuß zur Hütte kommen, das nimmt den Menschen die Hektik."

Seit 75 Jahren ist das Haus in der Rhön, von dem aus man einen herrlichen Blick in das Sinntal hinab und hinüber zu den beiden Auersbergen, dem Dammersfeld und der Wasserkuppe hat, ein Fixpunkt für Touren-geher. Von hier aus lassen sich Wanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und beliebiger Dauer unternehmen.
Am kommenden Sonntag, 29. Juni, wird nun im und um das Karl-Straub-Haus Jubiläum gefeiert, es wird eine ökumenische Bergmesse geben, und der erweiterte Kinderspielplatz soll mit großem Programm eingeweiht werden. Hüttenwirt Voll und der Vorsitzende des Würzburger Zweigvereins, Heinrich Jüstel, freuen sich auf viele Besucher.

Der Würzburger Zweigverein, der heute 640 Mitglieder hat, investiert gerade viel Geld in den Ausbau des Hauses. Der neu entstehende Anbau wird laut Jüstel rund 240 000 Euro kosten, der Spielplatz schlägt mit rund 30 000 Euro zu Buche, ein Projekt, das nur zusammen mit dem Kreisjugendring zu stemmen war. Der Anbau, der für mehr Platz und Bequemlichkeit sorgen wird, soll laut Jüstel im Herbst fertig werden. Erst vor wenigen Jahren wurde eine Kleinkläranlage für rund 70 000 Euro gebaut, da ein Kanalanschluss an die Gemeinde Geroda, in deren Gemarkung das Würzburger Haus steht, zu aufwändig gewesen wäre.

Einweihung im Mai 1939

Das Karl-Straub-Haus ist nicht das erste Wanderheim des Würzburger Rhönklubs. Bereits im Jahre 1920 haben die Würzburger zusammen mit dem Frankfurter Rhönklub-Zweigverein ein 1917 errichtetes, verwaistes und heruntergekommenes Pferdelazarett samt 1000 Quadratmetern Fläche am Dammersfeld ersteigert - genau gegenüber dem heutigen Würzburger Haus, auf der jenseitigen Talseite. Unter Federführung des Würzburger Rhönklub-Vorsitzenden, des "Rhönvaters" Karl Straub (1873 bis 1949), entstand eine Unterkunft, in der es zunächst nur fünf Betten gab. Doch dieses "Haus Franken", das 1930 als ein Schmuckstück galt, mussten die Rhönfreunde im Frühjahr 1938 aufgeben, als der Truppenübungsplatz Wildflecken entstand. Der Klub wurde aber finanziell entschädigt. Zu dieser Zeit trennte man sich auch vom Zweigverein Frankfurt. Karl Straub hatte bereits ab 1936, als schon vom Bau des Truppenübungsplatzes die Rede war, eine Alternative für das "Haus Franken" gesucht und sie am sogenannten Trogbrunnen am Farnsbergkopf gefunden. "Dann ging damals alles ziemlich schnell", weiß Jüstel, "am 15. Mai 1938 war Grundsteinlegung, schon am 25. Juni Richtfest, und eröffnet wurde im November 1938." Offizielle Einweihung war dann im Mai 1939.

1949 wurde das Haus zu Ehren von Karl Straub, der von 1920 bis 1949 den Würzburger Rhönklub-Zweigverein geleitet hatte, nach dessen Namen benannt. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges nutzten viele Würzburger das Haus als Ruhe- und Zufluchtsort, das Gebäude selbst überstand diese Zeit unbeschädigt.

Nichts Schlimmes passiert

"Nach dem Krieg musste man sich dann Sorgen wegen möglicher Plünderungen machen, viele 'displaced persons', die in der Gegend untergebracht waren, litten Hunger und suchten verständlicherweise nach Verwertbarem", weiß Jüstel. "Aber zum Glück ist nichts Schlimmes passiert." In den Nachkriegsjahren kamen die meisten Wanderer noch per Sinntalbahn in die Rhön und mussten dann von Riedenberg her aufsteigen. "Ab 1953 gab es hier dann immerhin ein Telefon", berichtet Jüstel, "aber elektrisches Licht leuchtet erst seit 1975, davor musste man sich mit Gaslicht begnügen, das hatte man ebenfalls seit 1953." Der Hüttenwirt war damals ein Angestellter des Rhönklubs, der sozialversichert war und Ende der 50er Jahre pro Monat 150 D-Mark erhielt. Wohnen durfte er mit Familie im Gebäude umsonst. Immer wieder wurde am Karl-Straub-Haus aufwändig gebaut und renoviert, heute bietet es für Wanderer 39 Betten an.

Und natürlich wurde auch gefeiert. Jüstel berichtet: "Von 1953 gibt es eine Jahresabrechnung für Märzenbier. Allein davon sind 2200 Liter im Karl-Straub-Haus getrunken worden."

Aber in den 50er Jahren waren die Sitten noch streng: Paare, die im Gebäude nächtigen wollten, mussten ihren Ehestand durch Vorzeigen der Ausweise belegen, und ansonsten waren Männlein und Weiblein streng getrennt. Probleme dieser Art kennt der heutige Hüttenwirt Robert Voll natürlich nicht mehr.