Christian Weghofer ist seit sechs Jahren der Geschäftsführer im Kaiserhof Victoria, einem der besten Hotels in der Stadt. Im Sommerinterview spricht der gebürtige Österreicher darüber, warum er sich keinen anderen Gast als den über 50 in seinem Haus vorstellen kann, warum das Gästeklientel für Luxushotels schwer nach Bad Kissingen zu holen sein wird und warum er seinen Job so wie er ist super findet.

Der Kaiserhof ist seit dem Abriss des ehemaligen Kurhaushotels das erste Haus am Platz. Wie laufen denn die Geschäfte?
Weghofer: Es passt, In den sechs Jahren seit ich hier bin, haben wir den Umsatz auf rund fünf Millionen Euro verdreifacht. Wir sind von einem finanziell schwer gebeutelten zu einem stabilen und soliden Unternehmen geworden.



Sie haben das brachliegende Grundstück, auf dem das Kurhaushotel stand, in direkter Nachbarschaft. Wie gespannt warten sie da auf eine Lösung? Wird der Freistaat einen Investor für ein neues Luxushotel präsentieren?
Es betrifft uns nicht, ob es das Steigenberger gibt oder nicht. Der Stillstand und das unbebaute Grundstück sind aber nicht unbedingt ein toller Anblick für den Gast. Da sollte bald eine Lösung gefunden werden. Was ich aber sehe ist, dass sie nicht so schnell kommen wird.

Braucht Bad Kissingen Luxushotellerie, oder geht es ohne?
Ich denke, dass es auch ohne geht. Wenn sie kommt, ist es gut. Dazu benötigt man aber finanzstarke Investoren und das ist die größte Schwierigkeit.
Der Freistaat treibt viel Aufwand für ein Fünf-Sterne-Hotel an der Stelle. Wie sehen sie das als Privatunternehmer?
Wir müssen ständig investieren, um die Infrastruktur im Haus zu verbessern. Die Investitionen belaufen sich jährlich auf 1,2 Millionen Euro. Der Standort Bad Kissingen ist top, aber wir müssen trotzdem sehr viel ins Marketing investieren. Natürlich brauchen wir dazu Top-Mitarbeiter. Die Mitarbeiterzahl haben wir in den vergangenen Jahren verdoppelt.

1,2 Millionen Euro jährlich? Für was wird das Geld investiert?
Wir haben dieses Jahr zehn neue Deluxe-Doppelzimmer in Betrieb genommen. 2016 werden wir elf Deluxe-Einzelzimmer und fünf Deluxe-Doppelzimmer komplett sanieren. Kostenpunkt 1,6 Millionen Euro. Wir bauen das Haupthaus komplett um, das ist wie eine Generalsanierung. Die Etagen werden entkernt und neu aufgebaut.

Haben Sie Bestrebungen in Richtung Fünf-Sterne oder Vier-Sterne-Superior?
Wir wollen ein gutes Vier-Sterne-Hotel bleiben. Fünf-Sterne sind für den Standort Bad Kissingen uninteressant. Sie kriegen diesen Gast nicht nach Bad Kissingen, mangels fehlender Infrastruktur.

Wo ist der Unterschied zwischen Vier- und Fünf-Sterne-Gast?
Das ist einfach der Preisunterschied. Sie müssen mehr bieten, brauchen noch mehr Personal. Das ist heute der schwierigste Punkt.
Ist gutes Personal in der Hotelbranche so schwer zu finden?
Die Fachkräftemangel hängt oft mit dem Image zusammen, den die Hotellerie und Gastronomie haben. Das heißt schlechte Arbeitszeiten und schlechte Gehälter. Das machen wir im Kaiserhof so nicht. Bei uns sind die Gehälter fair, es gibt geregelte Arbeitszeiten und auch sonst bieten wir unseren Mitarbeitern einige Benefits an.

Wer ist denn Gast im Kaiserhof, welches Klientel sprechen Sie an?
50 Plus. In der Vor- und Nachsaison haben wir auch viele Gäste zwischen 35 und 50 Jahren, jetzt im Sommer ist es der 50 Plus Gast. Für mich gibt es keinen anderen Gast. Ein 30-Jähriger hat mir einmal zur Antwort gegeben: "Herr Weghofer, ihr Hotel ist schön, aber nur für drei Tage. Ich komme wieder, aber erst wenn ich 65 bin." Das ist doch eine bemerkenswerte Aussage. Er hat sich wohl gefühlt, aber er will nicht seine Freizeit wie in einem Seniorenheim verbringen.

Stadt und Staatsbad mühen sich aber um jüngere Gäste.
Die werden sie nicht so leicht kriegen. Bad Kissingen als Destination hat einfach den Ruf: Kur und ältere Leute. Das ist so. Es gibt sicherlich Ausnahmen, wie das Hotel Sonnenhügel, das sich erfolgreich als Familienhotel etabliert hat. Auch der Stadtstrand ist eine super Sache für die jungen Leute in Bad Kissingen. Generell sagen junge Leute deutschlandweit: Bad Kissingen ist schön, die Infrastruktur ist gut. Die schauen sich das drei Tage an, aber sie kommen erst wieder, wenn sie 50 sind.

Wie viele Gäste haben Sie insgesamt im Jahr?
Wir haben letztes Jahr 62 000 Übernachtungen gehabt. Das ist schon nicht wenig. Bad Kissingen hat aber auch viel zu bieten, dass darf man nicht vergessen.

Was haben wir denn?
Die Bad Kissinger Kuranlagen sind einmalig. So zentrumsnah gibt es sie nirgends in Deutschland. Wir haben außerdem eine Wandelhalle, den Kissinger Sommer und Winterzauber, die Kisssalis und ebene Spazierwege (Die Aufzählung ist deutlich länger, Anmerkung der Redaktion).

Der Kaiserhof hat einen tollen Ausblick.
Ja, den haben wir. Wir müssen auch viel tun, damit der so bleibt. Der Gast will einfach sehen, dass mit seinem Geld gearbeitet wird.

Haben die kleinen Kurhäuser, die jetzt leer stehen, früher zu wenig investiert?
Das muss jeder Unternehmer für sich entscheiden. Wichtiger ist, dass der Freistaat sich um seine Leerstände kümmert, wie um das Kurhausbad und um das Krugmagazin. Grundsätzlich ist es aber schwierig, einen Betrieb, der unter 100 Betten hat, wirtschaftlich zu führen.

Wie soll es denn im Kaiserhof weitergehen?
Unser Wachstum wird im nächsten Jahr erreicht sein. Dann haben wir eine Größe, wo ich sage: Mehr ist nicht mehr möglich, weder baulich noch vom Umsatz. Wenn wir das erreicht haben, müssen wir das Niveau halten und die Qualität verbessern.

Ist es dann für Sie an der Zeit für eine neue Aufgabe?
Nein, es gibt keine neue Aufgabe. Ich habe im Laufe der Jahre das Unternehmen aufgebaut und mit geprägt. So etwas schmeißt man nicht einfach weg. Ich habe einen Super-Arbeitsplatz direkt an der Wandelhalle. Was will man eigentlich mehr?

Wie verfolgen Sie das Stadtgeschehen? Haben Sie eine Meinung zu städtischen Millionenprojekten wie der Sanierung der Fußgängerzone und der Sanierung des Rosengartens mit Neubau des Hightech-Springbrunnens?
Mich beeinflusst nicht unbedingt, was die Stadt macht. Wenn sie den Springbrunnen und den Rosengarten sanieren, finde ich das aber in Ordnung, weil ich weiß, dass das unsere Gäste sehr schätzen. Die Fußgängerzone sollte in einen ordentlichen Zustand gebracht werden, so dass sich auch ältere Menschen mit ihren Rollatoren gut fortbewegen können.

Was halten sie von den Bemühungen in Richtung Chronocity?
Kein Kommentar.

Was ist mit der Kurzonenänderung?
Mich betrifft es nicht, mich stört es aber auch nicht. Ich kann natürlich einige verstehen, die sich aufregen, weil sie aus der Kur z one rausfallen und vor Jahren Geld investiert haben, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Insgesamt glaube ich, dass die Kurzonensatzung überaltert ist.

Das Gespräch führte Benedikt Borst.