Die vier Asylbewerberheime, die die Regierung von Unterfranken im Landkreis unterhält, sind voll. 310 Personen fanden dort Zuflucht. Auch die dezentralen Unterkünfte des Kreises füllen sich zügig mit Flüchtlingen aus Krisengebieten der ganzen Welt. 48 Männer, Frauen und Kinder haben dort Obdach gefunden. Für weitere 20 bis 30 Menschen ist noch Platz, sagt Stefan Seufert, der die erst wenige Tage bestehende Koordinationsstelle für Asylbewerber-Angelegenheiten im Landratsamt leitet. Jede Woche wird die Regierung weitere acht Flüchtlinge in den Landkreis schicken, weiß Seufert. Also heißt es schnell weitere Wohnmöglichkeiten zu finden.

80 Menschen hat die Regierung im Heim in Hammelburg, 80 in der Unterkunft in Volkers untergebracht. 100 Asylbewerber leben in Münnerstadt, 50 in Ebenhausen. Der Kreis hat zwei Gasthäuser in Euerdorf und Wernarz angemietet, in denen 48 Personen ein Obdach fanden. In Verhandlung steht der Kreis gerade mit Vermietern in Schondra und Bad Bocklet (insgesamt 40 Plätze). "Wir haben weitere 25 Angebote und sind dabei, sie zu prüfen", sagt Koordinator Seufert.

Doch den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben ist das Eine, das Andere ist, sie zu betreuen. Denn sie haben nur die Habseligkeiten, die sie auf ihrer Flucht zum Beispiel aus der Ukraine, Syrien, Serbien oder Armenien mitnehmen konnten. Sie brauchen zunächst eine Grundausstattung und etwas Geld zum Leben. Denn die Meisten von ihnen müssen sich selbst verpflegen, sagt Seufert. Lediglich in den Gasthäusern, die der Kreis anmietete, ist die Verpflegung inbegriffen.

Sozialbetreuung für alle

In den Gemeinschaftsunterkünften der Regierung stehen zwei Sozialbetreuerinnen der Caritas zur Verfügung. Eine der beiden Sozialpädagoginnen kümmert sich auch noch um die Menschen in den Unterkünften in Wernarz und bald auch in Schondra. Und für die Unterkunft in Euerdorf ist derzeit eine Fachkraft aus dem Jugendamt abgeordnet worden. Ob die Betreuung für 350 Männer, Frauen und Kinder mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen langfristig funktioniert, darüber gibt es noch keine Erkenntnisse.

Denn der Aufgabenbereich ist umfangreich: Man muss mit den Neuankömmlingen nicht nur diverse Anträge ausfüllen, sondern auch die Kinder in Kindergärten und Schulen anmelden oder Arztbesuche vermitteln. Besonders problematisch: Etliche Mädchen und Buben wurden allein auf die Reise nach Deutschland geschickt. In diesem Fall ist das Jugendamt zuständig. Hier wie auch im Liegenschaftsamt, im Sozialamt und im Ausländeramt herrscht zur Zeit hektische Betriebsamkeit, sagt Seufert.

Wenn die Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung voll sind, werden die Kreise eingeschaltet, sagt Regierungspressesprecherin Marlene Schauer auf Anfrage. "Wir haben auch schon Städte um Aufnahme gebeten und sind ständig weiter auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten." So wurde das Heim in Volkers erst im Sommer, das in Ebern erst im September aufgemacht.

Zentrale Erfassung

Um die Unterbringung der Asylbewerber besser zu lenken, will der Freistaat in jedem Regierungsbezirk nun eine zentrale Erfassungsstelle einrichten, sagt Schauer. Die für Unterfranken soll in den Schweinfurter Ledward Barracks angesiedelt werden. In den Conn Barracks wird eine Notunterkunft eingerichtet.

Rasante Entwicklung

"Rasant" nennt Schauer die Entwicklung in den Sommermonaten. Bis Ende August wurden in Unterfranken 3339 Menschen aufgenommen (3239 Ende Juli), davon 2069 in den Gemeinschaftsunterkünften (1985 Ende Juli), 1270 in dezentralen Einrichtungen (1254 waren es im Juli). Wie dramatisch die Zugangszahlen ansteigen, zeigt auch die Prognose für Bayern: Während man zu Beginn 2014 noch mit 20 000 neuen Asylbewerbern rechnete, liegen die Prognosen derzeit bei 33 000.