Es ist ein Bild mit Symbolcharakter: Aus einem Kirchturm wächst ein Windrad. Das Bild des Landkreises, so wie wir es kennen, gibt es nicht mehr. Geradezu rasant schießen seit Monaten die Menetekel der neuen Zeit in den Himmel und sie verändern unsere Wahrnehmung. Wer in die Landschaft in seiner Heimatgemeinde schaut, wer den Horizont sucht, findet ... Windräder.
"Im Gnadenort Windheim bei Bad Bocklet ist es gelungen, das erste Windkraftrad auf den Turm der Wallfahrtskirche 'Maria Geburt' aufzusetzen", meint der Bockletter Bürgermeister Wolfgang Back. "Dem Betrachter bietet die Wallfahrtskirche, die das Ortsbild des Dorfes seit vielen Jahrhunderten prägte, nun der Eindruck, dem Himmel ein Stück näher zu sein." Was Back ironisch aufgreift, berührt die Tiefe des Ereignisses. Die Menschen stehen im Zwiespalt.

Die Werkzeuge schaden

Einerseits sind sie für die Energiewende, sind sie dafür, alternative Energien zu erzeugen, um die Natur und ihr Umfeld zu schützen und zu sichern. Der Wind und die Sonne liefern die Energie, erneuerbare Energie, die jeden Tag im Prinzip kostenlos zur Verfügung steht. Wir haben die Werkzeuge gefunden, um diese Energien zu nutzen. Nur: Die Werkzeuge beeinträchtigen genau das, was wir schützen wollen.
"Wegzeichen der neuen Zeit" hat Saale Zeitung-Redakteurin Heike Beudert vor einigen Tagen getitelt und aufgezeigt, wie das Landschaftsbild mit Windrädern und Handymasten verändert wird. Das Dilemma, in das die Menschen hier hinein schlittern, ist vielschichtig. Erhalt der Natur, gleichzeitig Verschandelung der Landschaft mit den "Technik-Spargeln" und eine Wertschöpfung aus der Windkraft, die nicht immer im Landkreis bleibt. Firmen aus ganz Deutschland wollen bauen oder bauen schon Windräder im Landkreis Bad Kissingen. Was sie hier erzeugen und an Gewinn machen, nehmen sie mit. Das ist schlecht und schadet den Menschen im Landkreis doppelt: Die Landschaft wird zerbaut, die Wertschöpfung geht verloren.

Unsere Güter schützen! Wie?

Lassen wir noch einmal Wolfgang Back zu Wort kommen: "Als Bürgermeister des Staatsbades Bad Bocklet, aber auch als Kreisrat von Bad Kissingen ist es mir sehr wichtig, den Menschen in unserer Region klar zu machen, dass wir die wenigen Güter die wir besitzen, wie die intakte Natur, das Landschaftsbild der Rhön und den Gesundheitsstandort Rhön-Saale mit seinem unbezahlbaren Erholungswert keinesfalls den Interessen von Konzernen und Geldhaien opfern dürfen." Ja, ungeteilte Zustimmung, aber haben wir nicht schon verloren?

Zerstörende Wirkung

Allein die jetzt schon stehenden und im Bau befindlichen Windkraftanlagen bei Burghausen, Nüdlingen, entlang der ehemaligen B 19 sowie im Thundorfer Raum verrichten schon ihr Werk, sowohl in energetischer Hinsicht, ebenso wie in ihrer Landschaft zerstörenden Wirkung. Und während die Einheimischen noch überlegen, ob sie das eine wollen und das andere tolerieren sollen, oder doch nicht, kommt schon der "nächste Angriff": Süd-Link.
Und jetzt wird es beinahe makaber: Fukushima geht in die Luft, von einem Tag auf den anderen ist der Atomausstieg in Deutschland beschlossene Sache, die Windparks in der Nordsee werden schneller gebaut als die Kernkraftwerke abgeschaltet werden können. Aber das kommt noch. Und dann?

Der Strom geht auf Reisen

Dann muss der saubere Strom aus dem Norden zur schönen Landschaft im Süden, weil die in Bayern nämlich keine Kernkraftwerke mehr haben werden, und weil die Bayern ihre Landschaft nicht mit Windrädern verschandeln wollten und keine haben. Man stelle sich nur vor: Ein Japaner steht vor Neuschwanstein und will ein Bild vom Schloss machen und da steht ein Windrad im Weg. Nein, das geht nicht.

Die Lieferung sauberen Stroms

Also bringen wir den sauberen Strom aus dem Norden in den energiearmen Süden. Dazu braucht man eine Leitung: Süd-Link ist geboren. Und was meint Wolfgang Back dazu: "Der geplante Bau der 'Südlink-Trasse' ist ein eiskalter Angriff auf die gut florierende bayerische Wirtschaft, weil Bayern in die Abhängigkeit von fremden Energiezulieferern getrieben werden soll". So kann man das auch sehen, aber eines werden wir in zehn Jahren nicht mehr übersehen: Windräder und Strommasten. Nicht mehr sehen werden die Menschen im Landkreis ihre ehemals schöne Landschaft.

Ist es schon zu spät?

Und die Menschen, die hier leben, haben klare Vorstellungen: Sie wollen keine Strommasten, sie wollen ihre intakte Natur und Landschaft, sie können aber nicht einordnen und einsortieren, inweit sie mit den neuen Windrädern und Handymasten in der Landschaft schon einen Schritt zu weit gegangen sind. Man wehrt sich gegen Strommasten, aber hat Don Quijote gegen die Windräder nicht schon verloren?