Die Fronten haben gehalten, die Stimmen von Forum aktiv, Freie Wähler, SPD und Leo Pfennig (CSU) nicht ausgereicht, gegen das Bündnis von CSU und Neue Wege. Mit elf zu zehn Stimmen fiel die Entscheidung für den Abriss äußerst knapp aus. Und äußerst knapp ging es an diesem wohl historischen Abend gleich mehrfach zu.
Beinahe hätte Bürgermeister Helmut Blank (CSU) den Sitzungssaal und das Foyer räumen lassen, weil Wortmeldungen der Abriss-Befürworter von den Zuhörern immer wieder mit Buh-Rufen kommentiert wurden. Auch durch sachliche und teilweise sehr persönliche Worte an Klaus Schebler (Neue Wege) ließ sich seine Fraktion nicht erweichen, den Abriss-Antrag zurückzustellen, bis Axel Knauff (SPD) seine sieben Konzepte für das Hallenbad vorlegen kann. Das sollte Mitte Januar geschehen. Also ist der Abriss beschlossene Sache.

Ein letzter Aufruf

Schon vor der eigentlichen Tagesordnung bat Dritter Bürgermeister Axel Knauff um Vertagung des Abrissantrages, weil er gebeten worden war, sich das Thema Hallenbad noch einmal ganz genau anzuschauen. "Ich liege gut im Zeitplan und würde meine Ergebnisse im Januar dem Stadtrat vorstellen und verschiedene Lösungen gemeinsam diskutieren und bewerten. Eine Alternative kann tatsächlich der Abriss sein", sagte er. Ein Zurückziehen des Antrags von Neue Wege sehe er als Zeichen vertrauensvoller Zusammenarbeit. "Sollten die Ergebnisse im Januar nicht den Vorstellungen entsprechen, so steht es jedem frei erneut einen Abrissantrag zu stellen."

Beim Tagesordnungspunkt Hallenbad verlas Bürgermeister Helmut Blank (CSU) den Antrag von Forum aktiv und Freie Wähler, nachdem der Abrissantrag von Neue Wege vertagt werden sollte. Der Rathauschef richtete die Frage direkt an Neue Wege. "Wir halten unseren Antrag aufrecht", lautete die Antwort von Klaus Schebler, was von den Zuhörern im Saal und im Foyer mit lautstarke Buh-Rufen quittiert wurde. Die Abstimmung über den Antrag von Forum aktiv und Freie Wähler auf Vertagung wurde anschließend mit zehn zu elf Stimmen abgelehnt.

Mit großer Mehrheit

Mit Freude erinnerte Helmut Blank an einen mit großer Mehheit gefällten Beschluss vom April dieses Jahres, nachdem der Sanierungsbeauftragte Dag Schröder ein städtebauliches Konzept für einen Teil des Karlsberges erstellen sollte, einschließlich BBZ und Hallenbad, wenn beide abgerissen sind. Dieses Konzept werde Dag Schröder vorstellen. Von keiner Fraktion sei je ein Antrag auf Generalsanierung gestellt worden, betonte das Stadtoberhaupt.

Dann wollte Zweiter Bürgermeister Michael Kastl (CSU) einen Facebook-Eintrag der Hallenbadfreunde verlesen, der ihn enorm geärgert habe. Rosina Eckert (Forum aktiv) meinte, dass dies hier nichts zu suchen habe, worauf sie der Bürgermeister lautstark auf die Geschäftsordnung verwies, nach der er ihr das Wort erteilen muss, bevor sie redet. "Ich habe mich gemeldet", sagt sie. Rosina Eckert und Axel Knauff erreichten, dass das Gedicht nicht vorgelesen wurde.

Michael Kastl sprach davon, dass darin die Mitglieder seiner Partei als Diebe, und Lügner bezeichnet worden seien und prophylaktisch für das Ertrinken von Kindern verantwortlich gemacht werden. "Wenn wir so mimosenhaft reagiert hätten, dann hätten wir aufgehört Politik zu machen", sagte Leo Pfennig mit Blick auf seine frühere Arbeit in München mit Minister Thomas Goppel.
Anschließend stellten Dag Schröder und seine Mitarbeiterin Evi Mohr das angekündigte Konzept vor, das sich allerdings hauptsächlich auf die Bebauung des Areals bezieht, auf dem heute das BBZ steht. Nach diesem Konzept wird das Hallenbad abgerissen, dort entsteht ein Aufenthalts und Ausstellungsplatz, unterhalb wird ein Badesee gebaut.

Das Büro hat aber auch noch einmal die Gutachtern zum Hallenbad aufgenommen und zusammen gefasst. Danach gebe es substanzielle Schäden am Dach und der gesamten Konstruktion, eine desolate haustechnische Einrichtung und weitere Mängel. Im Prinzip habe man einen Rohbau, der saniert werden müsste, fasste Dag Schröder zusammen. "Das ist nicht meine persönliche Meinung, sondern geht aus den Gutachten hervor", betonte er.

Letzte Mahnung

Helmut Blank ging auf die geschätzten Abrisskosten ein. Diese würden bei 178 000 Euro liegen und würden zu 80 Prozent gefördert. Als er auf das von der Stadt unterstützte Kinderschwimmen einging und dies als Erfolg bezeichnete, wurde er derart ausgebuht, dass er androhte, das Rathaus räumen zu lassen, wenn sich die Zuhörer nicht an den Umgang in einer Stadtratssitzung halten.
Es folgte eine Diskussion um die Auswertung der Gutachten, denn nicht nur Axel Knauff sah das ein wenig anders als Dag Schröder. Der wehrte sich gegen vermeintliche Vorwürfe. "Ich sehe mich außerstande als neue Stadträtin heute einen Beschluss zu fassen", betonte Rosina Eckert. Sie kenne die Gutachten nicht einmal.
Der Bürgermeister rechnete schließlich die möglichen Kosten einer Generalsanierung des Hallenbad für die Stadt vor und bezifferte diese auf bis zu zwei Millionen Euro.
Auch da gebe es keine verlässliche Zahlen, meinte Axel Knauff. Man solle ihm einfach bis Mitte Januar Zeit geben, bat er. Ganz ganz persönlichen Worten bat Leo Pfennig Klaus Schebler darum, seine Entscheidung zu überdenken. Auch Andreas Trägner (Freie Wähler) und Dieter Petsch (Forum aktiv) wollten den drohenden Abriss aufhalten. "Wir haben nur zwei Stimmen und werden alles akzeptieren" entgegnete Klaus Schebler.

Das Zünglein an der Waage

Einzeln wurden dann die Stadträte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Nachdem alle 20 befragt waren, stand es zehn zu zehn. Mit seinem "Ja" machte Bürgermeister Helmut Blank dann den Abriss des Münnerstädter Hallenbades perfekt. "Wir haben das durchgesetzt, was die Mehrheit der Bevölkerung will", sagte er am Dienstag gegenüber unserer Zeitung