Ob Echtzeit-Übersetzung, Fahrplan-Informationen, Restaurant-Empfehlungen oder Gesprächszusammenfassungen nach dem Auflegen: Bei Telefonaten im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom sollen die Gesprächsteilnehmer künftig auf eine Künstliche Intelligenz zurückgreifen können. Der Bonner Konzern hat bei der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona eine entsprechende Assistenzfunktion vorgestellt, die er noch in diesem Jahr in sein Netz integrieren wird. "Es geht zeitnah los", sagt Telekom-Technikvorstand Abdu Mudesir. Ob der "Magenta AI Call Assistant" etwas kostet, war zunächst unklar.
Die KI soll im Telefonat auf Abruf als Stimme präsent sein und wird mit "Hey Magenta" aktiviert. Es geht um das Mobilfunknetz der Telekom, nicht um das Festnetz. Die Funktion ist auch nutzbar, wenn ein Telekom-Kunde bei einem O2- oder Vodafone-Kunden anruft. Die Telekom ist nach eigenen Angaben der erste Telekommunikationskonzern weltweit, der KI-Dienste in sein Netz einbindet. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) testete den KI-Assistenten bei einem Besuch des Telekom-Messestandes.
KI soll Sprachtelefonie stärken
Der KI-Assistent hat verschiedene Funktionen, eine davon ist die Echtzeit-Übersetzung. Innerhalb von zwölf Monaten sollen 50 Sprachen übersetzt werden können. Außerdem kann die KI Zusammenfassungen erstellen, die der Anrufer am Ende des Telefonats schriftlich erhält.
Das könne etwa bei Anrufen beim Handwerker oder bei der Versicherung nützlich sein, sagt die Produktverantwortliche Lena Drubel, oder bei einem Gespräch mit dem Arzt, der Details zu einer Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten erläutert. "Das Thema ist Neuland für den Patienten, er ist nervös und muss genau zuhören – dank der KI-Zusammenfassung bekommt er Klarheit, was genau besprochen wurde."
Mit dem KI-Vorhaben möchte der Konzern die Sprachtelefonie stärken, die in den vergangenen Jahren etwas aus der Mode gekommen ist: Viele Menschen senden sich heutzutage lieber Chatnachrichten, anstatt sich anzurufen - die Gesamtzahl der Telefonminuten sinkt daher seit Jahren. Telekom-Vorstand Mudesir hat große Erwartungen an den KI-Assistenten für Telefonate: "Das lässt Sprache aus der Asche auferstehen."
KI-Vorteile auch bei alter Technik
"Wir machen KI den Menschen ohne Barriere zugänglich – dafür ist nicht das neueste teure Smartphone und keine App nötig, sondern einfach nur ein Handy, von mir aus auch ein altes Nokia-Tastentelefon", betont Telekom-Vorstand Mudesir. Seine Eltern lebten in Äthiopien und seine Kinder wachsen in Deutschland auf. "Wenn sie ihre Großeltern anrufen, können sie Deutsch sprechen und ihre Großeltern Amhari."
Der KI-Assistent kann zudem während des Gesprächs Fragen beantworten – der Anrufer oder der Angerufene kann ihn nach Flugverbindungen, Hotelverfügbarkeiten oder Sport-Informationen fragen. Solche Übersetzungs- und Antwortfunktionen gibt es bereits, hierfür braucht man bislang aber entsprechende Apps oder gute Hardware, etwa die Apple-AirPods-Kopfhörer oder die Kommunikationsplattform Microsoft Teams mit Copilot-KI.
Datenschutz-Bedenken tritt Telekom-Vorstand Mudesir entgegen. Man halte sich an gesetzliche Vorgaben. "Wir sind Verfechter einer ethischen KI." Man werde nicht abgehört, sondern man aktiviere die KI selbst mit den Worten "Hey Magenta". Sollte der KI-Assistent auf Wunsch das gesamte Gespräch mithören und anschließend eine Zusammenfassung senden, werde die Aufnahme direkt gelöscht. Die Telekom führe die neue KI-Dienstleistung in Deutschland ein und die Datenverarbeitung finde in der EU statt.
Wird Vokabeln lernen überflüssig?
Angenommen, die Übersetzungsfunktion der Telekom startet in ordentlicher Qualität und verbessert sich schrittweise - welche Auswirkungen hätte das auf das Interesse an Fremdsprachen? Ist das mühsame Lernen von Vokabeln und Grammatik überhaupt noch notwendig, wenn man dank einer KI-Übersetzung gut über Sprachgrenzen hinweg kommunizieren kann?
Der technologische Fortschritt verändere zwar den Umgang mit Sprache, mache den Erwerb von Sprachkompetenz jedoch nicht überflüssig, sagt die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing. Ein Übersetzungstool könne ein erster motivierender Schritt sein, sich in fremdsprachliche Kommunikation zu wagen.
Zudem könnten Technologien bei der Verständigung unterstützen, nicht jedoch beim tiefgreifenden Verstehen. "Solche Tools ersetzen weder eigenständiges Denken in der Fremdsprache noch interkulturelle Handlungsfähigkeit, rhetorische Kompetenz oder berufliche Diskursfähigkeit." Sprachkenntnisse seien bei echten menschlichen Begegnungen unverzichtbar.
Konkurrenz setzt auf Apps und Hardware
Und wie betrachten Wettbewerber das Thema? O2 und Vodafone verfügen nicht über einen solchen Assistenten. Vodafone sieht ihn als überflüssig an. KI sei bereits jetzt ein fester Bestandteil auf den Handys, sagt der Service-Chef von Vodafone Deutschland, Guido Weissbrich. "Wir setzen auf ein Ökosystem mit starken Partnern, damit Millionen Smartphone-Nutzer Live-Übersetzungen, Gesprächs-Zusammenfassungen und weitere KI-Services, die uns im Alltag helfen, in hoher Qualität nutzen können."
Branchenexperten bewerten das Vorhaben der Telekom positiv. "Das ist ein geschickter Schachzug der Deutschen Telekom", sagt Ben Wood vom Beratungsunternehmen CCS Insight. Dadurch erhielten auch Nutzer älterer Smartphones Zugang zu KI-Möglichkeiten. Diesen Service umfassend anzubieten, werde jedoch eine Herausforderung darstellen.
Ob der KI-Dienst im Telekom-Netz ein kommerzielles Potenzial besitze, sei noch unklar, sagt Wood. Es würden jedoch wichtige Erkenntnisse zur KI-Akzeptanz und KI-Nutzung der Kunden gewonnen.
Ein Redakteur hat diesen Artikel unter der teilweisen Verwendung eines KI-Sprachmodells verfasst und/oder optimiert. Sämtliche Informationen wurden sorgfältig geprüft.
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