Ein Liter Diesel für über 2,15 Euro, Benzin knackt die Zwei-Euro-Marke - die Spritpreise haben ein Niveau erreicht, das viele Autofahrer zuletzt 2024 erlebt haben. Der Grund: Der Iran-Krieg treibt die Ölpreise in schwindelerregende Höhen, die Straße von Hormus ist blockiert, der Schiffsverkehr liegt nahezu lahm. Doch während die Rohölpreise steigen, klettern die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen noch viel schneller - ein Umstand, der die Bundesregierung auf den Plan ruft.
Die Antwort ist ein Spritpreis-Paket, das es in sich hat: Eine Einmal-Täglich-Regel soll Preissprünge begrenzen, das Kartellrecht wird verschärft, das Bundeskartellamt erhält mehr Durchgriffsrechte gegen Mineralölkonzerne. Politiker sprechen von strukturellen Problemen im Mineralölmarkt und fordern sogar eine Spritpreisbremse. Eine Taskforce mit Vertretern der Kartellbehörde und der Ölkonzerne ist bereits zusammengetreten - der Kampf gegen die vermeintliche Abzocke an der Zapfsäule hat begonnen.
Benzin knackt Zwei-Euro-Marke: Regierung bringt Spritpreis-Paket auf Weg - was geplant ist
Die Bundesregierung hat als Antwort auf die massiv gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Konflikts ein umfassendes Maßnahmenpaket initiiert. Im Zentrum steht eine deutliche Verschärfung des Kartellrechts, die den Spielraum der Mineralölkonzerne bei der Preisgestaltung begrenzen soll. Nachdem Politiker den Unternehmen "Abzocke" vorgeworfen hatten, wurde am Sonntag, 15. März 2026, die Ressortabstimmung für entsprechende Gesetzesänderungen eingeleitet, wie ein Regierungssprecher bestätigte. Ein zentrales Element: Tankstellen sollen künftig nur noch einmal täglich - um 12 Uhr mittags - die Möglichkeit haben, ihre Preise zu erhöhen.
Die Preisexplosion an deutschen Zapfsäulen hat ihren Ursprung in der dramatischen Eskalation im Nahen Osten. Durch die iranische Blockade der Straße von Hormus, einer strategisch bedeutsamen Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist der Schiffsverkehr nahezu zum Stillstand gekommen. Diese Wasserstraße gilt als eine der wichtigsten Verkehrsrouten für den weltweiten Öltransport - jede Störung bedeutet ein erhebliches Risiko für die globale Ölversorgung und lässt die Preise steigen.
Seit der Krieg im Iran eskaliert ist, sind die Preise für Öl und in der Folge auch für Sprit und Heizöl deutlich gestiegen.
Deutschland besonders stark betroffen - "strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken"
Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, wies darauf hin, dass die Preissteigerungen in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt. Dies gehe aus Daten der EU-Kommission zu den Kraftstoffpreisen in den 27 Mitgliedsstaaten hervor. "Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter", erklärte Duso. "Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen."
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den vergangenen vier Wochen seit Kriegsbeginn legte der Benzinpreis in Deutschland um 15 Prozent zu, der Dieselpreis sogar um 26,2 Prozent. Im EU-Durchschnitt betrug der Anstieg lediglich 16 Prozent bei Benzin und 18 Prozent bei Diesel. Laut einer Bild-Auswertung auf Basis von EU-Daten vom 9. März 2026 kostete Super E10 in Deutschland durchschnittlich 2,08 Euro pro Liter - damit liegt Deutschland auf Platz 2 im EU-Ranking, nur knapp hinter den Niederlanden.
Der EU-Vergleich im Detail (Stand: 9. März 2026):
- Teuerste Länder Super E10: Niederlande (2,17 Euro/Liter), Deutschland (2,08 Euro/Liter), Dänemark (2,05 Euro/Liter)
- Teuerste Länder Diesel: Niederlande (2,26 Euro/Liter), Deutschland (2,16 Euro/Liter), Italien (2,09 Euro/Liter)
- EU-Durchschnitt: Super E10: 1,78 Euro/Liter, Diesel: 1,82 Euro/Liter
- Günstigste Länder: Bulgarien (Super 1,27 Euro, Diesel 1,31 Euro), Rumänien (Super 1,63 Euro), Polen (Super 1,68 Euro)
- Nachbarländer Deutschlands: Tschechien (1,49 Euro), Polen (1,68 Euro), Österreich (1,89 Euro), Frankreich (1,95 Euro)
Dieselpreis um 21 Prozent gestiegen
Besonders auffällig ist der Preisanstieg seit Kriegsbeginn im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Zwischen dem 23. Februar und dem 9. März 2026 stieg der Dieselpreis in Deutschland um 38 Cent (+21,4 Prozent), während der EU-Durchschnitt nur um 24 Cent (+15,2 Prozent) zulegte. Beim Benzin betrug der Anstieg in Deutschland 29 Cent (+16,2 Prozent) gegenüber 18 Cent (+11,3 Prozent) im EU-Durchschnitt. Diese Diskrepanz lässt sich nicht allein durch unterschiedliche Steuersätze erklären - Experten sehen darin ein Indiz für mangelnden Wettbewerb und mögliche Preisabsprachen im deutschen Mineralölmarkt.
Das Niederlande-Paradox: Obwohl Deutschland beim Preisanstieg EU-weit Spitzenreiter ist, bleibt Tanken in den Niederlanden noch teurer. Der Grund liegt im Ausgangsniveau vor der Krise. Die Niederlande hatten bereits vor dem Iran-Krieg mit die höchsten Spritpreise in Europa - vor allem aufgrund deutlich höherer Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe. Während in Deutschland die Energiesteuer auf Benzin bei 65,45 Cent pro Liter liegt, beträgt sie in den Niederlanden umgerechnet etwa 78 Cent. Hinzu kommt eine höhere CO₂-Abgabe. Der prozentuale Preisanstieg in den Niederlanden fiel mit rund 12 Prozent bei Benzin und 18 Prozent bei Diesel zwar moderater aus als in Deutschland, doch aufgrund des höheren Ausgangsniveaus bleiben die Niederlande absolut gesehen das teuerste EU-Land an der Zapfsäule.
Der Ölpreis war mit Beginn des Iran-Kriegs dramatisch gestiegen - der Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent lag am Montag, 9. März, kurzzeitig sogar bei 120 US-Dollar (+66,7 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau). In diesen Preisregionen befand sich der Ölpreis zuletzt 2022 während des Ukraine-Kriegs. Nach einem kurzen Preisrückgang pendelte er sich wieder bei rund 100 US-Dollar ein (+38,9 Prozent) - zum Vergleich: Am 27. Februar 2026, vor Beginn der Eskalation im Nahen Osten, kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent noch rund 72 US-Dollar.
Streit um den Begriff "Abzocke"
Der Begriff "Abzocke" ist zum Kampfbegriff in der Spritpreis-Debatte geworden. Politiker werfen ihn den Mineralölkonzernen vor, diese weisen ihn empört zurück - und ausgerechnet die Tankstellenbetreiber selbst verwenden ihn gegen die großen Ölkonzerne. Herbert Rabl, Vorsitzender des Tankstellen-Interessenverbands, findet deutliche Worte: 'Die Preise an den Tankstellen sind pure Abzocke'. Auf die Preise an der Zapfsäule hätten die Pächter selbst keinen Einfluss, betont Rabl. Diese würden von den Konzernen gemacht - den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab.
Ganz anders sieht es Frederick Beckmann, CEO von Q1 Energie, einer der größten deutschen Tankstellenketten. Er wehrt sich vehement gegen den Abzocke-Vorwurf: "In Krisenphasen machen wir Verluste", erklärt Beckmann im Interview. Die Margen der Tankstellenbetreiber seien minimal, der größte Teil des Spritpreises gehe an Steuern und die Mineralölkonzerne. Beckmann betont, dass die Preisgestaltung ein komplexer Prozess sei, der von globalen Rohölpreisen, Raffineriekosten und Transportwegen abhänge.
Aus der Politik kommen unterdessen klare Forderungen. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn macht deutlich, dass das Kartellrecht nachgeschärft werden müsse - "damit die Mineralölkonzerne nicht infolge der Krise auf dem Rücken der Verbraucher ihre Gewinne steigern können". Der Tankstellen-Interessenverband geht noch weiter und fordert politisches Eingreifen gegen die Preispolitik der Mineralölkonzerne. Der Vorwurf: Kaum steigen die Notierungen am Ölmarkt, drehen die Konzerne an der Zapfsäule nach oben - sinken die Rohölpreise aber, dauert es deutlich länger, bis sich das an den Tankstellen bemerkbar macht.
Einmal-täglich-Regel nach österreichischem Vorbild
Jetzt reagiert die Bundesregierung mit einem umfassenden Maßnahmenpaket. Nach dem Vorbild Österreichs sollen Tankstellen in Deutschland künftig ausschließlich einmal pro Tag, um 12 Uhr, ihre Preise anheben dürfen. Preissenkungen bleiben hingegen jederzeit möglich. Bei Verstößen gegen diese Regelung drohen empfindliche Bußgelder von bis zu 100.000 Euro, wie es aus Regierungskreisen verlautet. Die neue Vorschrift soll mehr Transparenz schaffen und kurzfristige Preissprünge an den Zapfsäulen verhindern. Allerdings ist unter Experten umstritten, ob die Maßnahme tatsächlich preisdämpfend wirken wird.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche dämpfte jedoch die Erwartungen, dass Tanken bald billiger werden könnte. Sie warnte davor, dass die Einmal-Täglich-Regel allein nicht ausreichen werde, um die Preise nachhaltig zu senken. Die Regierung prüfe zudem eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts beim Kraftstoffsektor.
Die geplanten Änderungen betreffen konkret die Missbrauchsaufsicht im Kraftstoffsektor. Dem Bundeskartellamt soll ermöglicht werden, deutlich einfacher gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich vorzugehen, sobald Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen. Wie es aus Regierungskreisen zu erfahren war, soll sich bei stark steigenden Preisen künftig die Beweislast umkehren: Die Unternehmen müssten dann darlegen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Dies soll es für die Kartellbehörden erheblich leichter machen, gegen überhöhte Preise vorzugehen. Als Vorbild dienen Regelungen, die bereits im Strom- und Gasmarkt etabliert sind.
Verschärfung der Kartellaufsicht
Zusätzlich sollen sogenannte Sektoruntersuchungen des Bundeskartellamts beschleunigt werden. Folgende Ziele werden dabei verfolgt:
- Wettbewerbsstörungen sollen künftig schneller festgestellt werden
- Abhilfemaßnahmen sollen rascher umgesetzt werden können
- Die Handlungsfähigkeit des Kartellamts soll gestärkt werden
- Überhöhte Preise sollen effektiver verhindert werden
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits angekündigt, die Regierung prüfe eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts beim Kraftstoffsektor, die zu verschärften Kontrollen bei Kosten und Preisen führen solle. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn erklärte, das Kartellrecht müsse nachgeschärft werden - "damit die Mineralölkonzerne nicht infolge der Krise auf dem Rücken der Verbraucher ihre Gewinne steigern können".
"Spritpreisbremse", Energiesteuer-Senkung und Co. - Taskforce tagt
Politiker von Union und SPD drängen auf weitergehende Maßnahmen. Zorn sprach sich für die Einführung einer "Spritpreisbremse" aus: "Die Preise für Benzin und Diesel dürfen nicht stärker steigen als der Rohölpreis." Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) forderte in der "Bild"-Zeitung, die Energiesteuer zu verringern, bis sich der Markt wieder normalisiert habe. Am Montag tagte in Berlin eine von der Koalition eingesetzte Taskforce zu den steigenden Preisen. Erwartet wurden neben dem Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, auch Vertreter von Mineralölkonzernen. Die Federführung für die Arbeitsgruppe liegt bei Zorn sowie Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU).
Die Spritpreise sind weiter gestiegen. Am Samstag verteuerten sich Diesel und E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt leicht, wie der ADAC mitteilte. Ein Liter Diesel kostete demnach 2,153 Euro - das waren 0,4 Cent mehr als am Vortag. E10 kostete 2,035 Euro pro Liter, das waren 0,7 Cent mehr als am Vortag. Beide Preise sind damit zwar den zweiten Tag in Folge gestiegen, aber weiter etwas niedriger als am Dienstag, dem bisher teuersten Tag seit Kriegsbeginn.
Experten rechnen mit anhaltend hohen Preisen. Der Geopolitik-Experte Klemens Fischer prognostizierte, dass die Spritpreise an den Tankstellen in Deutschland noch längere Zeit auf hohem Niveau bleiben werden. "Dadurch, dass die Straße von Hormus weiterhin gesperrt bleiben wird, ist nicht davon auszugehen, dass die Spritpreise an den deutschen Zapfsäulen kurzfristig sinken werden", erklärte Fischer. Die Blockade der strategisch wichtigen Meerenge durch iranische Revolutionsgarden hat weitreichende Konsequenzen für die globale Energieversorgung.
Sprit so teuer wie nie zuvor? Entwicklung seit 2020 eine Achterbahnfahrt
Ist Benzin in Deutschland aktuell so teuer wie nie zuvor? Die Antwort lautet: Fast, aber nicht ganz. Die aktuellen Preise im März 2026 bewegen sich zwar auf einem extrem hohen Niveau und haben die Zwei-Euro-Marke deutlich überschritten, doch das absolute Allzeithoch wurde im März 2022 erreicht. Damals, auf dem Höhepunkt des Ukraine-Kriegs, kostete ein Liter Super E10 am 14. März 2022 im Tagesdurchschnitt 2,203 Euro - der höchste jemals gemessene Wert seit Beginn der systematischen Erfassung. Diesel erreichte am 10. März 2022 sogar 2,321 Euro pro Liter.
Dennoch sind die aktuellen Preise alarmierend hoch. Mit Werten von über 2,03 Euro für Super E10 und 2,23 Euro für Diesel im März 2026 nähern sich die Spritpreise gefährlich den Rekordwerten von 2022. Der Irankrieg zeigt sich deutlich an den Tankstellen: Die Spritpreise erreichen neue Höchstwerte, wie die Zeit berichtet. Experten warnen, dass bei einer weiteren Eskalation des Konflikts und anhaltender Blockade der Straße von Hormus die historischen Höchststände von 2022 durchaus übertroffen werden könnten. Die Situation bleibt angespannt, und viele Autofahrer fragen sich, ob die Preise weiter steigen werden.
Die Spritpreise in Deutschland haben seit 2020 eine beispiellose Entwicklung durchlaufen. Während die Corona-Pandemie im Jahr 2020 zunächst zu einem Rückgang der Kraftstoffpreise führte, kostete Super E10 im Jahresdurchschnitt damals 129,3 Cent pro Liter. Doch bereits ab 2021 begann ein kontinuierlicher Anstieg, der sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 dramatisch beschleunigte. Das Jahr 2022 wurde zum teuersten Tankjahr aller Zeiten, mit einem Jahresdurchschnitt von 186,0 Cent für Super E10 und 194,6 Cent für Diesel.
Meilensteine der Preisentwicklung kompakt
Besonders drastisch waren die Preissteigerungen unmittelbar nach Kriegsausbruch in der Ukraine. Nach dem russischen Angriff Ende Februar 2022 verteuerte sich Benzin gegenüber Februar 2022 um 19,5 Prozent, Dieselkraftstoff kostete knapp ein Drittel mehr als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Im März 2022 erreichten die Preise ihren historischen Höchststand: Super E10 kostete zeitweise über 2,15 Euro pro Liter. Seit Kriegsbeginn war Super E10 um fast 25 Cent teurer geworden, Diesel sogar um 33 Cent.
Die wichtigsten Meilensteine der Preisentwicklung im Überblick:
- 2020 (Corona-Pandemie): Super E10 durchschnittlich 129,3 Cent/Liter, Diesel 116,8 Cent/Liter - niedrigster Stand seit Jahren
- 2021 (Wirtschaftliche Erholung): Super E10 durchschnittlich 152,2 Cent/Liter, Diesel 138,7 Cent/Liter
- 2022 (Ukraine-Krieg): Super E10 durchschnittlich 186,0 Cent/Liter (Höchststand: 220,3 Cent am 14. März), Diesel durchschnittlich 194,6 Cent/Liter (Höchststand: 232,1 Cent am 10. März)
- 2024: Super E10 durchschnittlich 173,9 Cent/Liter, Diesel durchschnittlich 164,9 Cent/Liter
- 2025: Super E10 durchschnittlich 168,8 Cent/Liter, Diesel durchschnittlich 161,1 Cent/Liter - Entspannung am Markt
Die hier aufgeführten Preisdaten stammen aus verschiedenen offiziellen Quellen und beziehen sich auf den bundesweiten Durchschnitt in Deutschland. Die Jahresdurchschnittswerte für 2020 bis 2025 basieren auf Erhebungen des ADAC, der täglich die Preise von über 14.000 Tankstellen in Deutschland auswertet. Die Daten werden über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt erfasst, an die alle Tankstellen in Deutschland verpflichtet sind, ihre Preisänderungen in Echtzeit zu melden. Die Monatsdurchschnitte werden als arithmetisches Mittel aller Tagesdurchschnitte berechnet, wobei jeder Tagesdurchschnitt das Mittel aller gemeldeten Preise zu verschiedenen Tageszeiten darstellt.
Iran-Krieg 2026: Neue Preisexplosion im Februar und März
Mit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 erlebten die Spritpreise eine erneute dramatische Eskalation. Die Monatsauswertung durch den ADAC ergab für den Liter Super E10 im Februar im bundesweiten Mittel 1,760 Euro und damit 2,1 Cent mehr als im Vormonat. Der günstigste Tag im Februar war der 5. Februar mit 1,736 Euro für Super E10 und der 18. Februar mit 1,700 Euro für Diesel. Doch das war erst der Anfang einer beispiellosen Preisrallye.
Besonders dramatisch entwickelten sich die Preise in den ersten beiden Märzwochen 2026. Am Mittwoch, dem 4. März, lag Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt bereits bei 1,889 Euro pro Liter - ein Zuwachs um fast sieben Cent im Vergleich zum Freitag vor der Eskalation. Am Sonntag, dem 8. März, kostete Superbenzin der Sorte E10 erstmals 2,008 Euro je Liter, bei Diesel waren es 2,032 Euro, wie der ADAC mitteilte. Am Mittwoch, dem 11. März, erreichte der Preis für einen Liter Diesel sogar 2,237 Euro - das waren 5,4 Cent mehr als am Sonntag und 42,5 Cent mehr als vor Kriegsbeginn.
Die Preisentwicklung im Iran-Krieg im Detail:
- Februar 2026 (Monatsdurchschnitt): Super E10: 1,760 Euro, Diesel: 1,745 Euro
- 5. Februar 2026 (Tiefststand Februar): Super E10: 1,736 Euro, Diesel: 1,700 Euro (18. Februar)
- 27. Februar 2026 (vor Kriegsbeginn): Super E10: 1,789 Euro, Diesel: 1,754 Euro
- 4. März 2026 (erste Kriegswoche): Super E10: 1,889 Euro, Diesel: 2,005 Euro
- 8. März 2026 (Überschreitung Zwei-Euro-Marke): Super E10: 2,008 Euro, Diesel: 2,032 Euro
- 11. März 2026 (Höchststand): Super E10: 2,035 Euro, Diesel: 2,237 Euro
- 15. März 2026 (leichter Rückgang): Super E10: 2,035 Euro, Diesel: 2,153 Euro
Die Preisdaten für Februar und März 2026 stammen vom ADAC, der die Preise täglich um 11 Uhr als bundesweiten Tagesdurchschnitt veröffentlicht. Diese Durchschnittswerte basieren auf den Meldungen aller deutschen Tankstellen an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe und werden als gewichtetes Mittel über alle Regionen Deutschlands berechnet. Regionale Abweichungen können erheblich sein - in Ballungsräumen und an Autobahnen liegen die Preise oft 10 bis 20 Cent über dem Bundesdurchschnitt. Die angegebenen Höchststände beziehen sich auf die jeweils teuersten Tagesdurchschnittswerte seit Beginn der systematischen Erfassung durch die Markttransparenzstelle im Jahr 2013.
Deutsche fahren trotz Preisexplosion nicht weniger
Obwohl Autofahrer in ganz Deutschland über die hohen Spritpreise klagen, fahren sie offenbar nicht messbar weniger. Eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die Deutsche Presse-Agentur ergab keinen relevanten Rückgang der Fahrleistung. "Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist", sagte ein TomTom-Sprecher. "Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell höher. Das könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen."
Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten drei Tanker aus den USA und Großbritannien in der Golfregion und in der Straße von Hormus festgesetzt. Diese Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran, Israel und den USA stört den Öltransport in der wichtigen Förderregion erheblich. Die Auswirkungen sind bereits an deutschen Tankstellen spürbar - Experten warnen vor weiteren Preissteigerungen, sollte die Blockade anhalten. Die Bundesregierung hofft, mit ihrem Maßnahmenpaket zumindest die strukturellen Probleme im deutschen Mineralölmarkt anzugehen und so die Verbraucher vor ungerechtfertigten Preisaufschlägen zu schützen.
Die geplanten Gesetzesänderungen sollen nach dem Willen der Regierung innerhalb einer Woche greifen. Der Gesetzentwurf ging am Sonntag in die Ressortabstimmung, die bis 20.00 Uhr laufen sollte. Die Regierung möchte damit ein deutliches Signal an die Mineralölkonzerne senden und gleichzeitig sicherstellen, dass keine überhöhten Preise durch Absprachen oder "Mitnahmeeffekte" entstehen. Zurzeit findet bereits eine Novelle des Kartellrechts statt, in die die neuen Regelungen integriert werden sollen. sl/mit dpa