Noch am Freitag hieß es vom Bundeswirtschaftsministerium, dass die Versorgung mit Öl und Gas gesichert sei. Und das trotz des massiven Preissprungs bei Benzin, Diesel und Co. aufgrund des US-israelischen Angriffs auf den Iran. Nun schlägt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plötzlich andere Töne an, wie der Nachrichtensender ntv am Dienstag (24. März 2026) berichtete.

"Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai", zitiert ntv aus einer Rede, die Reiche bei der Energiekonferenz Ceraweek in Huston in den USA gehalten hatte. Derzeit sehe man stark steigende Preise, besonders bei Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff - aber keinen Mangel. Ende der Konflikt im Iran jedoch nicht, werde man diese aber wahrscheinlich später sehen, im April oder Mai.  Die CDU-Ministerin warnte dabei wiederholt vor den Schäden für die deutsche Wirtschaftsentwicklung durch die hohen Treibstoffpreise.

Iran-Krieg belastet Wirtschaft - Engpass bei Benzin, Diesel und Co. droht schon ab April

Ministerin Reiche bezieht sich laut dem ntv-Bericht auf Schätzungen deutscher Wirtschaftsinstitute, die bei weiterhin hohen Preisen mit Verlusten von rund 40 Milliarden Euro ausgehen - dies wäre zudem ein Treiber für die Inflation. Laut Reiche komme dies zu einer Unzeit. "Die kleine, fragile Erholung der deutschen Wirtschaft steht derzeit unter Druck", zitiert ntv aus der Rede der Ministerin. Konkret geht es dabei laut ntv um eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach dürfte der Milliardenverlust über einen Zeitraum von zwei Jahren zustande kommen. Die Inflation dürfte dabei heuer um 0,8 bis 1 Prozent höher liegen als ursprünglich veranschlagt.

Das Bundeswirtschaftsministerium betonte auf Nachfrage, Reiche habe sich mit ihrer Äußerung "auf ein Worst-Case-Szenario aus unverminderter militärischer Auseinandersetzung im Nahen Osten in Verbindung mit einer dauerhaften Unpassierbarkeit der Straße von Hormus bezogen". Die Lieferketten funktionierten, mit Rohöl unter anderem aus Kasachstan und Norwegen. "Wir sehen keine physischen Engpässe in Deutschland."

Die aktuelle Situation sei mit der Krisenlage 2022 nicht zu vergleichen, heißt es aus dem Ministerium. "Damals hat Russland quasi über Nacht die Versorgung eingestellt, Deutschland war zu einem großen Teil abhängig von russischem Gas. Das hatte auch Auswirkungen auf die gesamte Energieversorgung."

Preise seit Kriegsbeginn stark gestiegen 

Auch der Mineralölverband en2x betont: "Aktuell drohen keine Lieferengpässe bei Benzin, Diesel oder Heizöl. Aber die Versorgungslage weltweit und damit auch in Deutschland ist aufgrund des Nahostkonflikts bereits deutlich angespannt." Reiche warne "zu Recht vor weiteren möglichen Auswirkungen des Konflikts". 

Seit Beginn des Iran-Krieges hat sich Diesel in Deutschland um mehr als 50 Cent pro Liter verteuert, Superbenzin um rund 30 Cent. Der Dieselpreis lag zuletzt nur noch knapp unter seinem Allzeithoch aus dem März 2022, kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges. Zuletzt hatte sich allerdings eine leichte Entspannung bei den Spritpreisen abgezeichnet. Ende Februar hatten die USA und Israel den Iran angegriffen. Teheran selbst sperrte daraufhin die Straße von Hormus - die Meerenge ist eine wichtige Handelsroute für Erdöl.