Die Grippesaison in Deutschland hat längst begonnen und nimmt derzeit an Fahrt auf. Immer mehr Menschen stecken sich an, einige müssen ins Krankenhaus. Hauptverantwortlich für den Großteil der Infektionen ist eine ansteckende Influenza-Variante.

Im ersten Wochenbericht des Jahres zählt das Robert Koch-Institut (RKI) fünf Millionen Personen pro Woche mit einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung. Im Vergleich zur Vorweihnachtszeit bedeutet das einen Rückgang. Laut RKI befindet sich die Inzidenz derzeit auf "niedrigem Niveau". Während die Schnupfen- und Coronafälle nach unten gehen, bleibt die Zahl der Grippeinfektionen hoch. Influenzaerkrankungen betreffen zurzeit alle Altersgruppen, wie das RKI in seinem aktuellen Wochenbericht zu akuten Atemwegsinfektionen berichtet. 

Neue Grippevariante Subklade K: Darum ist sie so ansteckend

Die Stichproben im Labor ergaben ein eindeutiges Bild: Grippeviren machen derzeit einen Großteil der Infektionen an Atemwegserkrankungen aus. In 43 Prozent der Tests waren Grippeviren enthalten. Das Coronavirus kam auf 13 Prozent, die schnupfenauslösenden Rhinoviren auf 14 Prozent. Dass immer mehr Menschen an der saisonalen Grippe erkranken, zeigt sich auch an den Meldedaten: In der Woche vom 5. bis 11. Januar wurden dem RKI bislang knapp 20.500 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle gemeldet. In der Woche zuvor waren es rund 14.930. Die Werte können sich durch später eingehende Meldungen noch ändern. Da nur noch selten getestet wird, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Verantwortlich für die hohe Zahl an Grippeinfektionen ist eine neue Influenza-Variante: die Subklade K. Sie gehört zur auch "Super-Grippe" genannten H3N2-Gruppe. Rund 70 Prozent aller untersuchten Grippeansteckungen sind derzeit auf H3N2-Viren zurückzuführen. Unter all den Infektionen mit H3N2-Viren lag bei Proben im Labor in neun von elf Fällen eine Ansteckung mit dem neuen Subtyp vor.

Die Subklade K zeichnet sich primär durch ein Merkmal aus: Sie kann Antikörpern ausweichen. Wer sich also in der Vergangenheit bereits mit einem H3N2-Virus infiziert hat und über Antikörper verfügt, kann nun trotzdem wieder erkranken.

Sechs Tote in Sachsen – RKI rät zur Impfung 

Der Krankheitsverlauf ähnelt den anderen H3N2-Varianten. Laut der aktuellen Datenlage macht Subklade K nicht schwerer krank als andere Subtypen. "Es gibt keine Hinweise auf mehr schwere Verläufe als in den Vorjahren", sagt Nicole Töpfner, die Oberärztin an der Pädiatrische Infektiologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden ist.

Dennoch ist das Virus keinesfalls ungefährlich – im Gegenteil: In Sachsen forderte die neue Variante mehrere Todesopfer. "In diesem Jahr sind bereits sechs Menschen an der Grippe gestorben", berichtet der MDR auf Grundlage von Daten der sächsischen Landesuntersuchungsanstalt. Alle Betroffenen waren demnach über 68 Jahre alt. In Thüringen wurden laut Thüringer Allgemeine zwei Todesopfer gemeldet.

Besonders häufig infizieren sich derzeit Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren, doch auch alle anderen Altersgruppen stecken sich mit dem Virus an. Das RKI rät deshalb zur Impfung, die in vielen Fällen vor schweren Krankheitsverläufen schützt. Insbesondere für ältere Menschen und schwangere Frauen kann das Virus zur Gefahr werden. Laut der Kinderärztin Nicole Töpfner sind Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf viel zu selten geimpft. "Die Impfung wird nicht gut angenommen."

Höhepunkt der Grippesaison 2026 steht noch bevor

Influenza ist eine ernst zu nehmende Krankheit und kein "Schnüpfchen", wie Ärztinnen und Ärzte immer wieder betonen. Gerade Kinder könnten schwer an dem Virus erkranken.

Eine Grippe beginnt meistens plötzlich mit Fieber oder einem deutlichen Krankheitsgefühl. Zusätzlich können Muskel- und Kopfschmerzen und nachfolgend ein trockener Husten eintreten. Eine Grippe kann aber auch weniger typisch und ohne Fieber verlaufen. Prognosen zufolge erreicht die Grippewelle erst im Laufe des Januars oder im Februar ihren Höhepunkt. mit Informationen der dpa