Ein Mann mit einer Israelflagge am Revers ist in Unterfranken angegriffen und schwer verletzt worden. Man gehe von einer israelfeindlichen oder antisemitischen und islamistischen Motivation des 20 Jahre alten Angreifers aus, teilten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft München mit. Dort übernahm der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz das Verfahren wegen versuchten Mordes. Zunächst hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.
Der mutmaßliche Angreifer mit syrischer Staatsbürgerschaft sei noch vor Ort in Höchberg bei Würzburg festgenommen worden und sitze inzwischen in Untersuchungshaft, hieß es von den Ermittlungsbehörden. Er sei in der Vergangenheit bereits strafrechtlich unter anderem wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten.
Der Verdächtige soll den 65-Jährigen unter anderem gegen den Kopf getreten haben. Das Opfer befinde sich nach dem Angriff am späten Sonntagabend nicht in Lebensgefahr. Bei der Festnahme des Verdächtigen sei ein Polizist leicht verletzt worden.
DIG-Präsident: Freunde Israels müssen um ihr Leben bangen
Bei dem Schwerverletzten handle es sich um ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Würzburg, teilte die Organisation mit. Er sei wegen seines Ansteckers israelfeindlich angesprochen und während des Gesprächs plötzlich ins Gesicht geschlagen worden.
Als der Mann schon wehrlos am Boden gelegen habe, habe der Angreifer «weiter brutal auf Kopf und Körper» eingetreten, teilte die DIG mit. Das Opfer habe «unter anderem Kopfverletzungen und einen Knochenbruch» erlitten und werde auf der Intensivstation behandelt.
Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) teilte mit, seine Gedanken seien bei dem Schwerverletzten, der in der Stadt lebe. «Wenn ein Mensch offenbar schon wegen des Tragens eines Israel-Ansteckers angegriffen wird, ist das ein unerträglicher Angriff auf unsere demokratischen Grundwerte und unsere offene Gesellschaft.» Antisemitismus habe in Würzburg keinen Platz, betonte Heilig. «Wir werden nicht wegschauen.»
DIG-Präsident Volker Beck sagte, er sei «schockiert» über den Angriff, und forderte eine «rasche und harte Bestrafung» des Angreifers. «Wer sich als Freund oder Freundin Israels oder als jüdisch erkennbar macht, muss um sein Leben bangen», sagte Beck. «Das darf nicht mehr toleriert werden und dem Klima, das solche Taten begünstigt, muss von Demokratinnen und Demokraten klipp und klar entgegengetreten werden.»
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, betonte, er erwarte, «dass die Möglichkeiten des Rechtsstaats zur Ahndung eines solchen Verbrechens vollumfänglich ausgeschöpft werden». «Dieser Ausbruch brutaler Gewalt geschieht nicht im luftleeren Raum.» Alle einschlägigen Statistiken belegten eine Verfestigung antisemitischer Vorfälle auf Rekordniveau, so Schuster. Eine Trendumkehr werde Politik und Zivilgesellschaft enorme Anstrengungen abverlangen.
Dem Opfer des Angriffs wünschte Schuster eine schnelle und vollständige Genesung.