Update vom 18.07.2026, 16.04 Uhr: Leihmutter-Skandal: Markus Söder äußert sich zum Spahn-Rücktritt
CSU-Vorsitzender Markus Söder hat dem Unionsfraktionschef Jens Spahn seinen Respekt für dessen Rücktritt ausgesprochen. Dies sei eine "persönliche Entscheidung, dafür gebührt ihm Respekt. Ich danke Jens Spahn für die hervorragende Zusammenarbeit, besonders in herausfordernden Zeiten", äußerte der bayerische Ministerpräsident gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in München.
Auch der CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek würdigte die Lebensleistung von Spahn ausdrücklich. Er habe "großen Respekt" vor dem Schritt, den Spahn nun gegangen sei. Spahn habe verschiedene Ämter begleitet und sich in einer sicherlich herausfordernden Situation nochmals nach vorne gewagt.
Spahn begründet Rücktritt
Gleichzeitig erinnerte Holetschek an die "Verpflichtung für den Schutz und die Würde zum Lebensbeginn des Kindes". Das sei tatsächlich etwas, "was mich bewegt bei all der Diskussion, die schon richtig ist, dass wir das Verbot der Leihmutterschaft sehen und all die Dinge. Es ist ein Kind auf die Welt gekommen, das möglicherweise irgendwann mal auch sehen wird, was in dieser Zeit passiert ist".
Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte zuvor in einem Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mitgeteilt, von seinem Amt zurücktreten zu wollen. Ihm sei in den letzten Tagen klar geworden, dass sein persönliches Glück, eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar sei mit seinem politischen Amt, heißt es darin.
Spahn war zuletzt immer stärker unter Druck geraten, weil er und sein Ehemann die Unterstützung einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen hatten. Auch Kanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz hatte einen Rücktritt gefordert.
Update vom 18.07.2026, 13.45 Uhr: Leihmutter-Skandal: Spahn tritt zurück
Paukenschlag in Berlin! Unionsfraktionschef Jens Spahn tritt angesichts der Debatte um seine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zurück. Das geht aus einem Schreiben Spahns an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte in seiner Funktion als CDU-Chef den Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn zum Rücktritt aufgefordert. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld des Parteivorsitzenden.
Spahn war unter Druck geraten, weil er und sein Mann die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen hatten.
Update vom 18.07.2026, 09.39 Uhr: Spahns Leihmutter-Skandal: So gerät der CDU-Politiker zunehmend unter Druck
Privat im Glück, politisch unter Druck: Für Jens Spahn wackelt der Posten des Unionsfraktionsvorsitzenden, nachdem er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter aus der USA ein Baby bekommen haben. Nach Rücktrittsforderungen aus der CDU legte Spahn seine Zukunft im Amt in die Hände der Abgeordneten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte an, dass sich die CDU-Spitze mit dem Thema befassen werde.
Spahn meldete sich in einem Podcast mit "Bild"-Vize Paul Ronzheimer aus den USA zu Wort. Er spielt offenbar auf Zeit. "Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen", sagte der CDU-Politiker. Sich selbst für einen Rücktritt zu entscheiden, zieht er dabei offenbar aktuell nicht in Erwägung. Er sagt: "Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht." Zugleich machte er deutlich: "Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie."
"Das geht überhaupt nicht": Rücktrittsforderung aus dem Norden
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte den Jungen zur Welt. In Deutschland gibt es laute Kritik, weil Leihmutterschaft hier verboten ist und sich die CDU klar gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst. Kritiker sprechen von doppelten Standards.
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters sagte der Bild-Zeitung: "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten." Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe sich Spahn "in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt". Spahn nehme für sich in Anspruch, als Privatperson anders zu handeln als er als CDU-Mandatsträger abstimme. "Das geht überhaupt nicht", meinte Peters.
Scharfe Worte wählte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, in "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden." Die CDU-Politikerin sprach von einem "ausbeuterischen System zwischen Kaufeltern und Leihmüttern" und betonte: "Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab."
Spahn möchte "seine Familie schützen"
Im Podcast sagte Spahn: "Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden." Er kenne es als Christ, dass "das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben. Und dass das manchmal kein Schwarz und Weiß hat und keine einfachen Entscheidungen".
Verboten sei in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die ganze ärztliche Begleitung des Prozesses. "Das ist das, was verboten ist", sagte Spahn. "Eltern werden oder Leihmutter sein, steht nicht unter Strafe."
Er stelle sich der politischen Diskussion, die seine Vaterschaft ausgelöst habe. "Ich muss nur die Balance schaffen", sagte Spahn. "Es ist und bleibt was sehr Privates. Ich möchte meine Familie schützen."
Spahns frühere Positionierung zu dem Thema
Spahn war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister – in seinen Zuständigkeitsbereich fiel damit das Embryonenschutzgesetz, wo das Verbot von Leihmutterschaften geregelt ist. 2020 antwortete das Haus auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, dass eine Änderung nicht geplant sei – und erklärte, die Ratio der Regelung liege "primär in der Wahrung des Kindeswohls".
Im Jahr 2015 hatte das Magazin GQ Spahn, damals gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit den Worten zitiert: "Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht."
Inzwischen ist Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) einer der mächtigsten Politiker in der Union. Nach Anlaufschwierigkeiten hat er seine Position zuletzt mit einem guten Ergebnis bei seiner Wiederwahl gefestigt. Ihm wird auch zugutegehalten, dass das Reformpaket so geräuschlos geschnürt wurde.
Spahns Kalkül scheint nicht aufzugehen
Doch jetzt wird es abermals eng. Das Kalkül, dass er Politik und Privates einfach so trennen könne, scheint nicht aufzugehen. Seine private Entscheidung lässt sich nicht rückgängig machen. Er hat also zwei Möglichkeiten: Mit einer erheblich angekratzten Glaubwürdigkeit im Amt bleiben. Oder das Amt abgeben.
Spahn ist eigentlich bekannt dafür, dass er in solchen Situationen ein dickes Fell hat. "Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen", sagte der CDU-Politiker vor einiger Zeit in einem Podcast. Die Affäre um Maskenkäufe in seiner Zeit als Gesundheitsminister saß er aus. Die andere war die geplatzte Wahl einer Bundesverfassungsrichterin vor einem Jahr, als er den Widerstand in seiner Fraktion unterschätzte und die Koalition in eine Krise stürzte. Jetzt hat sich Spahn möglicherweise wieder verschätzt. Auffällig ist, dass ihm zunächst niemand aus der ersten Reihe der Union so richtig zur Seite sprang.
Merz wurde schon am Donnerstag bei einer Pressekonferenz darauf angesprochen, wich aber aus. Der Kanzler sagte nur, er sei am Freitag vergangener Woche von Spahn informiert worden, dass Spahn und sein Mann Eltern würden, und habe ihm dazu gratuliert. Spahn beschrieb die Situation in dem Podcast so: "Er hat gratuliert. Er hat sich erst mal für uns persönlich gefreut. Wir haben aber natürlich auch darüber gesprochen, dass das keine einfache Ausgangslage ist."
Kanzler Merz vermeidet klare Äußerung zu Verhalten Spahns
Am Freitag dann erneut Fragen an Merz bei einer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Merz sagte, ihm sei bewusst, dass dieses Thema in seiner ganzen Dimension menschlich, juristisch, gesellschaftlich und ethisch sehr viele Menschen in Deutschland bewege.
Er fügte hinzu: "Wir haben dazu in Deutschland eine klare Rechtslage, wir haben in der Partei, in der CDU, einen Parteitagsbeschluss. Ich sehe nicht, dass an der Rechtslage oder an dem Parteitagsbeschluss Änderungen vorgenommen werden sollen, und alles Weitere werden wir in der nächsten Sitzung des Präsidiums der CDU Deutschlands besprechen."