Angesichts der aktuellen Energiekrise infolge des Iran-Kriegs lädt Vizekanzler Lars Klingbeil Vertreter der Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energiepreis-Krisengipfel am Freitag (10. April 2026) ein. Es würden Maßnahmen geprüft, wie Verbraucher möglichst zielgenau entlastet werden können, hieß es.
Der SPD-Vorsitzende hatte beispielsweise eine Entlastung durch eine Mobilitätsprämie vorgeschlagen und deren Finanzierung durch eine Übergewinnsteuer. Zudem setzt er sich für einen flexiblen Preisdeckel für Kraftstoff ein. Unionsfraktionsvize Sepp Müller sagte, die Situation sei komplex und volatil und biete keinen Anlass für vorschnelle Kurskorrekturen. Ein Waffenstillstand sei noch kein tragfähiger Frieden. Die vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg sorgte bei den Anlegern weltweit für enorme Erleichterung.
Waffenruhe drückt Ölpreise – Trendwende bei Sprit in Sicht
Ein einzelner Zwischenfall wie etwa ein Angriff auf einen Tanker könne genügen, um die mühsam erreichte Stabilität zu kippen, sagte Müller. Beim Ölpreis seien jederzeit Ausschläge nach oben möglich. Außerdem seien die Bedingungen für die Passage durch die Straße von Hormus noch völlig unklar. DIW-Chef Marcel Fratzscher spricht sich für eine Energiekostenpauschale aus.
Bei den Spritpreisen deutete sich eine Wende an. Zwar steigerten die meisten Tankstellen in Deutschland am Mittwochmittag (8. April 2026) ihre Preise erneut. So verteuerte sich im bundesweiten Durchschnitt Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilte. Die Durchschnittspreise waren jedoch nach der Erhöhung niedriger als am Vortag zur gleichen Uhrzeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent. Der Rückgang der Ölpreise führte hier offenbar zu einem moderateren Anstieg als an den Tagen zuvor.
Kurz nach Mittag kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro, nachdem die Preise zuvor über Ostern ein Rekordhoch erreicht hatten. Der Anstieg am Mittag war der bisher geringste seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise anheben dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich.
Wie geht es mit den Spritpreisen weiter?
Der ADAC fordert, dass der gesunkene Ölpreis "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden" muss. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit jedoch beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten jedoch nur langsam. Auch ein Sprecher der Bundesregierung sagte, dass es dauern werde, "bis deutliche Preissenkungen in Deutschland ankämen".
Der SPD-Fraktionsvize Armand Zorn betonte, die Mineralölwirtschaft habe versichert, "dass Preissenkungen genauso schnell weitergegeben werden wie Preissteigerungen, da der Wiederbeschaffungspreis ausschlaggebend sei. Wir werden sie an dieser Aussage messen."
In Frankreich gibt es bereits erste Einschätzungen, wie stark der Preisrückgang sein könnte: Der Vorsitzende der Ölindustrieunion, Olivier Gantois, sagte im Sender France Info, dass die Spritpreise in den kommenden Tagen um 5 bis 10 Cent pro Liter sinken könnten, falls sich der Ölpreis pro Barrel bei etwa 93 bis 95 Dollar stabilisieren sollte.
Welche weiteren neuen Regeln gibt es?
Das Bundeskartellamt erhielt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise: Unternehmen sollen unter anderem nachweisen müssen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Dadurch soll es für das Kartellamt erheblich einfacher werden, gegen überhöhte Spritpreise vorzugehen. Unionsfraktionsvize Sepp Müller forderte: "Der Präsident des Kartellamts muss die Ölkonzerne an die kurze Leine nehmen, die verschärften Gesetze geben ihm dafür alle Mittel."
Auch aus Sicht des ADAC ist ein Eingreifen der Kartellbehörde dringend notwendig. Der Technik- und Verkehrspräsident Karsten Schulze forderte: "Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird und die Behörden in der Beobachterrolle bleiben."
Kartellamtspräsident Andreas Mundt hingegen schrieb über Ostern im sozialen Netzwerk LinkedIn, Verfahren der Behörde bräuchten ihre Zeit. Den "Knopf zur schnellen Preissenkung" habe auch die jüngste Novelle nicht gebracht.
Tschechien deckelt Spritpreise
Als Reaktion auf die Energiekrise begrenzt Tschechien die Kraftstoffpreise an den Tankstellen. Das Finanzministerium in Prag veröffentlichte erstmals zulässige Höchstpreise, die ab Mittwoch gelten. Diese liegen bei 43,15 Kronen (umgerechnet etwa 1,76 Euro) je Liter Benzin und 49,59 Kronen (2,02 Euro) je Liter Diesel. Die Vorgaben sollen täglich aktualisiert werden.
Die Regierung in Prag hatte entschieden, die Margen der Mineralölkonzerne zu beschränken und die Verbrauchsteuer auf Dieselkraftstoff zu senken. "Das Ziel dieses Maßnahmenpakets ist es, den Anstieg der allgemeinen Treibstoffpreise zu dämpfen und örtliche Preisextreme zu beseitigen", hieß es zur Begründung. Beobachtern zufolge dürfte sich dies besonders in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen auswirken, wo normalerweise die höchsten Preise gezahlt werden.
Tschechien verfügt über ein engmaschiges Tankstellennetz. Die größten Betreiber sind der polnische Orlen-Konzern und das ungarische Unternehmen Mol. Der Staatsbetrieb Cepro betreibt außerdem 209 Tankstellen unter der Marke Eurooil und 75 unter der Marke Robin Oil. Aufgrund der vergleichsweise günstigen Kraftstoffpreise fahren in letzter Zeit viele Autofahrer aus dem deutschen Grenzgebiet für eine Tankfüllung über die Grenze. Dabei sind jedoch Zoll-, Steuer- und Gefahrgutvorschriften zu beachten.
Griechenland zahlt bis zu 60 Euro Zuschuss für Spritkosten
Die griechische Regierung legte einen Zuschuss für Treibstoffkosten auf. Anspruchsberechtigte können bis Ende April Anträge für den sogenannten "Fuel Pass" einreichen, wie die Behörden mitteilten. Anspruch auf die Unterstützung haben Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen.
Die Beantragung erfolgt online über ein staatliches Portal unter Nutzung persönlicher Zugangsdaten des Steueramts. Die Auszahlung geschieht entweder über eine digitale Debitkarte oder durch Überweisung auf ein Bankkonto.
Die Höhe des Zuschusses ist nach Fahrzeugtyp und Region gestaffelt: Für Autos beträgt er 50 Euro auf dem Festland und 60 Euro in Inselregionen, für Motorräder 30 beziehungsweise 35 Euro. Die Regelung gilt für die Monate April und Mai. Die konservative Regierung kündigte an, bei einer weiteren Verschärfung der Lage zusätzliche Maßnahmen zu prüfen. Diese seien von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten abhängig, hieß es.
Lage weiterhin dynamisch
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) bezeichnet die Lage weiterhin als angespannt, solange Details der Feuerpause nicht vorlägen und Sicherheit nicht gewährleistet sei. Reedereien prüften fortlaufend, ob eine Durchfahrt der Straße von Hormus möglich sei. Der internationale Schifffahrtsverband Bimco riet Reedereien zunächst davon ab, die Straße von Hormus zu durchqueren, ohne sich vorab mit dem Iran und den USA abzustimmen.
Nach Angaben des VDR sitzen seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar mehr als 2000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Darunter seien mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien.
Ein Redakteur hat diesen Artikel unter der teilweisen Verwendung eines KI-Sprachmodells verfasst und/oder optimiert. Sämtliche Informationen wurden sorgfältig geprüft.
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