Deutschland muss nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf einen russischen Gas-Lieferstopp vorbereitet sein - auch wenn unklar ist, ob er kommt. "Ob und welche Entscheidung die russische Regierung in dieser Hinsicht treffen wird, kann man nur spekulieren, macht aber wenig Sinn", sagte der Kanzler am Donnerstag (28. April 2022) im japanischen Tokio. "Man muss sich darauf vorbereiten." Damit habe die Bundesregierung schon begonnen, bevor der Krieg ausgebrochen sei.

Russland hatte Bulgarien und Polen am Mittwoch den Gashahn abgedreht. Grund sei, dass die Unternehmen PGNiG und Bulgargaz nicht rechtzeitig in Rubel gezahlt hätten. Sofia und Warschau betonten dagegen, ihre Verpflichtungen erfüllt zu haben. Alle Zahlungen, die der Vertrag erforderlich mache, seien rechtzeitig getätigt worden, teilte die bulgarische Regierung mit.

Scholz warnt: Deutschland muss auf Gas-Lieferstopp gefasst sein

Die Bundesregierung ist noch stark von russischen Gaslieferungen abhängig, will aber so schnell wie möglich auf andere Bezugsquellen umstellen. Laut Bundesnetzagentur sei die Versorgungssicherheit in Deutschland derzeit noch gewährleistet. "Die Einstellung von russischen Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien hat bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland", heißt es im aktuellen Lagebericht.

Auch in Bulgarien und Polen selbst soll die Lage noch stabil sein, die Bundesnetzagentur beobachte die Lage sehr genau. Das Ende von Öl und Gas aus Russland könnte dennoch laut Experten schlimme Folgen für Deutschland haben, auch für den Arbeitsmarkt.