Kein Alkohol auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen - die Deutsche Bahn will mit einem radikalen Schritt für mehr Sicherheit für Fahrgäste und Personal sorgen. Wie die Bild berichtet, soll es zukünftig an den bundesweit 5400 Bahnhöfen verboten sein, Bier, Wein, Schnaps oder andere alkoholische Getränke zu konsumieren. Die umfassende Umsetzung soll bis zum 15. Oktober 2026 abgeschlossen sein. Die Bahn bestätigte die Pläne auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur.
"Wir greifen jetzt noch härter durch. Wir wollen mehr Ordnung und Sicherheit auf unseren Bahnhöfen und in unseren Zügen", sagte Bahnchefin Evelyn Palla der Bild. Für sie zähle nur der Schutz der Kollegen und der Reisenden. Ausgenommen sein soll der Konsum innerhalb der lizenzierten Bahnhofsgastronomie. Auch das Mitführen von Alkohol in verschlossenen Taschen oder aus Einkäufen soll weiterhin erlaubt bleiben. Von Verboten innerhalb der Züge ist derzeit ebenfalls nicht die Rede. In ihren Fernzügen verkauft die Bahn auch selbst Alkohol.
Alkoholverbot an Bahnhöfen - Anlass ist ein gewalttätiger Vorfall
Bisher gilt ein Konsumverbot in Bahnhöfen primär an großen deutschen Stationen wie in Frankfurt, Hamburg oder Köln. Die Regelung soll laut Bild über das Hausrecht der Bahn ausgeweitet werden. Die lokalen Hausordnungen sollen dazu in den kommenden Wochen in Abstimmung mit Kommunen und Behörden angepasst werden, heißt es in dem Bericht.
Anlass für das geplante Verbot war demnach ein Vorfall am Freitagabend in Baden-Württemberg. Ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zufolge von einem 36 Jahre alten Fahrgast geschlagen und getreten worden. Während des Gerangels gab die Zugtür nach und der Bahnmitarbeiter fiel durch einen Spalt aus dem fahrenden Zug. Warum die Tür nachgab, war zunächst unklar. Der 36-Jährige soll alkoholisiert gewesen sein.
Die Einhaltung des geplanten Verbots soll von den DB-Sicherheitskräften und der Bundespolizei überwacht werden. Wer beim illegalen Alkoholkonsum erwischt wird, müsse mit einem sofortigen Platzverweis rechnen. Bei wiederholten Verstößen drohe ein dauerhaftes Hausverbot, so die Bild.
Bahn verspricht sich weniger Streitereien - Verbände reagieren positiv
Ein allgemeines Verbot von Alkohol in allen Zügen der Deutschen Bahn existiert bislang nicht, jedoch ist das Rauchen in Zügen grundsätzlich untersagt. Auf Bahnhöfen hingegen darf geraucht werden, allerdings nur in ausgewiesenen Raucherbereichen.
Die Deutsche Bahn erhofft sich von einem Alkoholverbot mehr Sicherheit und weniger Konflikte unter Alkoholeinfluss. Entsprechende Erfahrungen wurden unter anderem am Hauptbahnhof Hamburg gemacht. Seit dort im April 2024 der Alkoholkonsum untersagt worden war, ist die Zahl der Konflikte und Auseinandersetzungen merklich zurückgegangen. Das Sicherheitsgefühl der Reisenden habe sich verbessert und auch der Reinigungsaufwand sei gesunken, hieß es damals in einer ersten Bilanz.
Der Plan der Deutschen Bahn findet bei Pro Bahn, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sowie der Gewerkschaft der Polizei (GdP) grundsätzlich Anklang. "Ein Alkoholverbot an Bahnhöfen kann das Sicherheitsgefühl stärken und die Aufenthaltsqualität verbessern. Entscheidend ist aber, dass es konsequent und mit Augenmaß durchgesetzt wird", sagte EVG-Chef Martin Burkert der dpa. "Wir wissen aus der Praxis, dass schon Ticketkontrollen immer wieder zu Eskalationen führen können. Deshalb darf die Durchsetzung des Alkoholverbots nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden." Es bedarf mehr eigenen, gut geschulten Sicherheitspersonals und einer deutlich stärkeren Präsenz der Bundespolizei an den Bahnhöfen. Anfang Februar 2026 war ein Zugbegleiter nach einer Prügelattacke bei einer Ticketkontrolle gestorben.
Probleme bei Durchsetzung?
Die Gewerkschaft der Polizei bezweifelt, dass das Verbot angesichts der aktuellen Personalsituation konsequent umgesetzt werden kann. "Wir sind gebunden in Veranstaltungen, Großveranstaltungen und Grenzkontrollen mit der Bundespolizei. Das wird schwer, das umzusetzen", sagte Alexander Poitz, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender, im "Frühstart" von RTL/ntv. Gleichzeitig plädierte er für ein Alkoholverbot auch in Zügen. "Es macht keinen Sinn, an den Bahnhöfen ein Alkoholverbot umzusetzen und dann aber in der Bahn selbst Alkohol konsumieren zu dürfen", sagte Poitz.
Pro Bahn erwartet, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Mehrheit der Fahrgäste durch die Maßnahme steigen wird. Wichtig sei, dass das Bahnpersonal mit gutem Vorbild vorangeht und zum Beispiel ein Feierabendbier dann auch erst außerhalb der Bahnhöfe öffnet. "Hier sehen wir beim Thema Rauchverbot bereits heute, dass spätestens, wenn Zugpersonal außerhalb der Rauchverbotszonen raucht, deren Einhaltung durch die Fahrgäste endgültig aufgegeben wird", schrieb der Verband auf Anfrage.
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