Die Idylle des Bodensees ist für viele Bootsbesitzer ein Traum – doch dieser wird zunehmend zum Geduldsspiel. Mit über 52.000 zugelassenen Booten und nur 28.000 Liegeplätzen herrscht akuter Platzmangel. Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sind keine Ausnahme, und jetzt sorgt eine neue Gebührenregelung in Bregenz zusätzlich für Aufregung. Bootsbesitzer, die auf einen Platz hoffen, müssen zahlen, um überhaupt auf der Warteliste zu bleiben – ohne Garantie, dass sie jemals einen Liegeplatz erhalten. Kritiker sprechen von Abzocke, während Befürworter die Maßnahme als fair und effizient verteidigen.
Die Situation ist angespannt, und der Streit um die Gebühren hat längst auch die sozialen Medien erreicht. Während die Debatte um Gerechtigkeit und Verwaltungsaufwand tobt, bleibt die Frage offen: Wie kann der Platzmangel am Bodensee nachhaltig gelöst werden? Vorschläge wie der Ausbau von Häfen oder die Einführung transparenter Gebühren stehen im Raum, doch die Bootsbesitzer fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt.
Platzmangel am Bodensee: 25 Jahre warten auf einen Bootsplatz?
Der Bodensee, der sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz erstreckt, zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen Europas, insbesondere bei Wassersportlern und Touristen. Laut Schwäbische Zeitung sind über 52.000 Boote auf dem See zugelassen, während nur etwa 28.000 Liegeplätze verfügbar sind, was zu einem erheblichen Platzmangel und langen Wartelisten führt.
Vornehmlich am deutschen Ufer des Bodensees ist der Mangel an Bootsliegeplätzen besonders groß. Wie der SWR berichtet, gibt es hier doppelt so viele registrierte Boote wie verfügbare Liegeplätze. Auch auf der österreichischen und schweizerischen Seite des Sees ist die Situation angespannt: Der Platzmangel liegt je nach Region zwischen 3 und 25 Prozent, und Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sind keine Seltenheit.
Die Bodensee-Stadt Bregenz in Österreich hat kürzlich eine sogenannte Evidenzhaltungsgebühr eingeführt, die Bootseigner jährlich 30 Euro kostet, um auf der Warteliste für einen Liegeplatz zu bleiben. Laut offiziellen Informationen der Stadt Bregenz verwaltet die Stadt zwei Hafenanlagen: den Sporthafen mit 391 Wasserliegeplätzen, von denen 140 für Motorboote mit mehr als 15 PS reserviert sind, und den Gondelhafen. Die Einführung der Gebühr soll die Verwaltungskosten decken und Einnahmen von bis zu 45.000 Euro jährlich generieren.
Neue Gebührenregelung in Bregenz erhitzt die Gemüter
Die Regelung stößt auf gemischte Reaktionen. Kritiker werfen der Stadt Bregenz Abzocke vor, während andere, wie der Präsident des Bregenzer Segelclubs, die Maßnahme begrüßen. Urs Hämmerle erklärte laut Boote Magazin, dass die neue Gebühr die Warteliste verkleinern könnte, da nur ernsthafte Interessenten darauf bleiben würden. Allerdings räumte er im Gespräch mit dem österreichischen Nachrichtenportal Vorarlberg Online auch ein: "Ich weiß nicht, ob die Höhe der Gebühr gerechtfertigt ist. Ob hier wirklich so viel Verwaltungsaufwand entsteht, kann ich nicht beurteilen."
Auf Facebook sorgt die Wartelisten-Gebühr für hitzige Diskussionen. Viele Nutzer reagierten kritisch und bezeichneten die Maßnahme als "Gier" und "Abzocke". Laut dem Boote Magazin werfen einige Bootsbesitzer der Stadt vor, mit der neuen Gebühr von 30 Euro jährlich lediglich zusätzliche Einnahmen generieren zu wollen, ohne den akuten Platzmangel zu lösen. Besonders die langen Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sorgen für Frustration in den Kommentaren. Andere Nutzer verteidigen die Gebühr und argumentieren, dass sie dazu beitragen könnte, die Wartelisten zu verkleinern und effizienter zu gestalten.
Auch die Ungleichbehandlung zwischen Einheimischen und auswärtigen Bootsbesitzern wird auf Facebook kontrovers diskutiert. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, zahlen ortsansässige Bregenzer erheblich weniger für ihre Liegeplätze als Bootsbesitzer aus anderen Städten, was häufig als ungerecht empfunden wird. Eine Bootsbesitzerin brachte den Fall sogar vor Gericht und klagte die Stadt Bregenz an, da sie als Nicht-Bregenzerin 50 Prozent höhere Gebühren entrichten musste. Diese Entscheidung wird von vielen Facebook-Nutzern als unfair kritisiert, während andere die niedrigeren Gebühren für Einheimische als gerechtfertigt ansehen, da diese bereits durch andere kommunale Abgaben belastet seien.
Wartenlisten-Gebühren keine Seltenheit
Auch andere Orte rund um den Bodensee erheben Gebühren. In Lochau, ebenfalls in Österreich, müssen Anwärter eine einmalige Gebühr zahlen, um sich auf die Warteliste eintragen zu lassen. Gemäß der Gemeinde Lochau erfolgt die Vergabe der Liegeplätze nach Datum des Zahlungseingangs. In der Schweiz variieren die Kosten für die Eintragung in die Warteliste zwischen 50 und 80 Euro, wobei zusätzliche Gebühren für Verlängerungen anfallen können.
Am deutschen Ufer des Bodensees sind die Regelungen unterschiedlich. In Bodman-Ludwigshafen in Baden-Württemberg zahlen Bootseigner jährlich 25 Euro, wie die Gemeindeverwaltung Bodman-Ludwigshafen mitteilt. Dagegen erhebt die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB), eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz, für ihre 350 Liegeplätze in Städten wie Konstanz, Friedrichshafen und Meersburg, nur eine einmalige Gebühr. Laut den offiziellen Informationen der BSB ist die Warteliste für neue Anwärter jedoch aufgrund der hohen Nachfrage dauerhaft geschlossen.
Die sozialen Medien sind ein wichtiger Ort für die Debatte um die Gebühren. Kritiker werfen den Städten vor, dass die Gebühren keinen proportionalen Verwaltungsaufwand widerspiegeln und das Bootfahren am Bodensee zunehmend zu einem Luxus machen könnten. Gemäß Yacht.de sind solche Gebühren jedoch bei den Bodensee-Anrainern keine Seltenheit.
Angesichts der angespannten Situation rund um Bootsliegeplätze am Bodensee schlagen Experten vor, die Kapazitäten durch den Ausbau von Häfen oder durch alternative Konzepte wie temporäre Liegeplätze zu erweitern. Laut Boote Magazin könnte eine transparente und gerechte Gebührenregelung helfen, das Vertrauen der Bootsbesitzer zurückzugewinnen und die Attraktivität des Bodensees als Wassersportziel zu erhalten.
Neue Chancen durch Trockenliegeplätze
Die Einführung von Trockenliegeplätzen könnte eine wegweisende Lösung für den akuten Platzmangel am Bodensee sein. Diese Alternative erlaubt es Bootsbesitzern, ihre Boote sicher an Land zu lagern, anstatt in den überfüllten Hafenanlagen. Laut der Plattform Reichenau Privat sind diese Plätze besonders für kleinere Boote oder saisonale Nutzer geeignet, da sie nicht nur kosteneffizient sind, sondern auch die empfindlichen Wasserzonen des Bodensees schonen.
Wie Boots- und Yachtservice Stockach berichtet, bieten einige Anbieter sogar einen Full-Service mit Slip-Anlage an, wodurch Boote nach Bedarf ins Wasser gelassen werden können. Diese flexible Lösung ist ideal für Gelegenheitskapitäne, die ihre Boote nicht dauerhaft im Wasser benötigen. Die Trockenliegeplätze senken nicht nur die Kosten für Bootsbesitzer, sondern könnten auch die Hafenanlagen entlasten.
Durch eine stärkere Förderung von Trockenliegeplätzen könnten Gemeinden und private Anbieter gemeinsam den Druck auf die Hafeninfrastruktur am Bodensee reduzieren und gleichzeitig eine nachhaltige Alternative schaffen. Laut Südkurier könnten sie somit einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung der aktuellen Situation leisten.
Temporäre Liegeplätze als Lösung für den Bodensee?
Eine weitere Lösung für den akuten Platzmangel am Bodensee sind temporäre Liegeplätze, die Bootsbesitzern die Möglichkeit bieten, ihre Boote für kurze Zeiträume anzulegen. Laut dem Südkurier können diese Liegeplätze tageweise oder für wenige Wochen angemietet werden, was vor allem für Touristen oder Gelegenheitsnutzer eine attraktive und kostengünstige Alternative darstellt.
Demnach experimentieren einige Städte wie Konstanz bereits mit solchen Modellen. Die kurzzeitige Nutzung sichert eine effizientere Auslastung der vorhandenen Hafenanlagen und entlastet die Wartelisten. Besonders attraktiv sind solche Plätze für Segelclubs und private Hafenbetreiber, die durch diese Vermietung zusätzliche Einnahmen generieren können.
Mit einer transparenten Vergabe und digitalisierten Verwaltung könnten temporäre Liegeplätze eine flexible und zukunftsorientierte Lösung für den Bodensee darstellen. Die Plattform Boat24 hebt hervor, dass die Nachfrage nach solchen flexiblen Angeboten stetig wächst und ein vielversprechender Weg zur Entlastung der Hafenanlagen sein könnte.
Die Bodenseeregion, auch als Dreiländereck bekannt, bietet eine Vielzahl an Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten. Wie wir in einem separaten Artikel zeigen, reicht das Angebot von Schluchten und Wasserfällen bis hin zu historischen Städten wie Friedrichshafen. Hier locken Highlights wie das Zeppelinmuseum oder der Moleturm, der eine imposante Aussicht auf die Alpen und den Bodensee bietet. Die Uferpromenade in Friedrichshafen ist mit 2,5 Kilometern eine der längsten am Bodensee und bietet eine idyllische Kulisse.
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