• Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Regionalbahn entgleist
  • Vier Frauen und ein 13-jähriger Teenager sterben
  • Nach fast drei Wochen: Strecke weiter nicht befahrbar
  • Ermittlungen gegen drei Bahnmitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung

Auch fast drei Wochen nach dem tödlichen Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern ist unklar, wann die Strecke wieder befahren werden kann. Noch immer seien Teile der Unfallstelle von den Ermittlern nicht freigegeben, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Grape am Mittwoch, dem 22. Juni 2022.

Eine seriöse zeitliche Prognose sei derzeit nicht möglich. Die Unfallursache ist nach wie vor ungeklärt - doch die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Bahn-Mitarbeiter: Der Verdacht der fahrlässigen Tötung steht im Raum.

Update vom 23.06.2022, 15 Uhr: Zugstrecke weiterhin nicht befahrbar

Am vergangenen Freitag war als letztes Zugteil die Lokomotive geborgen worden. Rund um die Unfallstelle müssen nach bisherigen Angaben der Deutschen Bahn (DB) rund 700 Meter Schienen sowie 500 Schwellen erneuert werden. Zudem seien neue Oberleitungen nötig.

Dazu müssten auch drei Masten erneuert werden, die teils von umstürzenden Waggons umgerissen wurden und die nun neue Betonfundamente brauchen. Die Arbeiten können erst starten, wenn es eine Freigabe durch die Behörden gibt.

Am Mittag des 3. Juni war ein Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Vier Frauen sowie ein 13-Jähriger starben. Fast 70 Menschen wurden verletzt, 16 davon schwer und 52 leicht. Eine Sonderkommission "Zug" ermittelt weiter zur Unglücksursache.

Update vom 09.06.2022, 15 Uhr: Ermittlungen laufen - Frau in kritischem Zustand

Die Ermittlungen an der Unfallstelle des tödlichen Zugunglücks von Garmisch-Partenkirchen ziehen sich hin, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Mit den Instandsetzungsarbeiten konnte auch am Donnerstag zunächst nicht begonnen werden: «Noch immer ist die Unfallstelle nicht freigegeben, weil noch Begutachtungen stattfinden», sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Die fast 50 Mitarbeiter umfassende Soko «Zug» arbeite weiter auf Hochtouren. Es müsse abgewartet werden, «bis irgendwann die Experten sagen: Wir haben jetzt alles untersucht».

Dem Vernehmen nach könnten die Arbeiten bis Ende Juni dauern. Allerdings macht die Bahn hierzu keine Angaben. «Aktuell finden vor Ort keine Arbeiten der DB statt, die Unfallstelle ist noch nicht vollständig freigegeben», teilte ein Bahnsprecher mit.

Die Lok und ein Waggon stehen weiter auf den Gleisen. Sie müssten nach der Freigabe von Norden kommend über die Schiene geborgen werden. Dazu müsse aber das Gleis instandgesetzt werden, damit ein Schienenkran zur Unfallstelle gelangen könne. Die Instandsetzung des Gleisabschnittes solle im Laufe der nächsten Tage beginnen.

Der Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München war am Freitagmittag entgleist. Vier Frauen und ein 13-Jähriger aus der Region starben. Unter den Toten sind zwei Mütter aus der Ukraine, die mit ihren Kindern vor dem Krieg geflüchtet waren. Eine weitere Frau war auch laut Polizei am Donnerstag noch in kritischem Zustand. Am Samstag ist in Garmisch-Partenkirchen ein ökumenischer Trauergottesdienst geplant.

Update vom 09.06.2022, 7.15 Uhr: Experte setzt auf Prävention statt Strafe

Thomas Strang, Experte für Kommunikation und Navigation am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), hat nach dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen angemahnt, zuerst nach der Ursache und dann erst nach den Verantwortlichen zu suchen. Er sieht grundsätzlich einen Fehler im System. "In anderen Ländern ist nicht so wichtig, wer war schuld - sondern was ist passiert und wie können wir das systematisch das nächste Mal verhindern?", sagte Strang der Deutschen Presse-Agentur.

"Natürlich hat bei solchen Unglücken meist irgendein Mensch dazu beitragen, indem er irgendetwas übersehen hat." Der Fehler eines Einzelnen dürfe aber gerade nicht zu einem Unfall führen. Es sei ein System mehrfacher Sicherungsmaßnahmen nötig. "Wir brauchen Redundanzen, die verhindern, dass ein Fehler zum Unfall führt." Jedes Fahrrad oder jeder E-Scooter habe zwei unabhängige Bremssysteme.

Zwar solle EU-weit das Sicherheitssystem ETCS eingeführt werden, mit dem zum Beispiel auch das Einhalten der Geschwindigkeit an Langsamfahrstellen überwacht werde. "Das ist eine gute Sache - aber es dauert noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis es kommt. Es braucht schnellere Lösungen - und mehr als ein Lösung. Sonst sind wir bei dem E-Scooter mit einer Bremse."

Dass an den Schienen der DB Netz Sanierungsbedarf bestehe, zeigten diverse Langsamfahrstrecken. "Die Anzahl der Langsamfahrstellen ist ein direkter Indikator für den Zustand unseres Netzes." Es fehle allerdings - so Strangs Einschätzung - an qualifizierten Fachkräften, die entsprechende Arbeiten konzipierten. Zudem sei das Streckennetz so stark ausgelastet, dass jede Baustelle den Betrieb stark behindere.

Update vom 08.06.2022, 09.25 Uhr: Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn

Nach dem Zugunglück vom Freitag verdichten sich die Hinweise, dass ein technischer Defekt am Gleisbett Auslöser der Katastrophe sein könnte. Bei dem Unglück nahe Garmisch-Paertenkirchen in Oberbayern kamen fünf Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden teils schwer verletzt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen den Streckenverantwortlichen, den Lokführer und den Fahrdienstleiter - es gebe "einen Anfangsverdacht". Außerdem rücken die Schienen ins Zentrum der Ermittlungen: „Auf jeden Fall werden die im Moment peinlichst genau untersucht und vermessen“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Unfallursache werde "mit dem Schwerpunkt in Richtung technische Defekte gesucht".

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hatten Fahrgäste im Internet berichtetet, dass es an der Unglücksstelle zuvor "immer mal wieder gerumpelt" hatte. Zudem wollte die Bahn offenbar ab dem 25. Juni Sanierungsarbeiten an dem betroffenen Streckenabschnitt durchführen - eine Gleislageberichtigung und eine Schienenerneuerung. Die Deutsche Bahn wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern.

"Die Bahn wurde kaputtgespart"

Sind die Bahngleise in Deutschland marode? Karl-Peter Naumann (71), Vorstandsmitglied des Eisenbahn-Verbands Allianz Pro Schiene e. V. sagte gegenüber der "Bild": "Der Sanierungsstau beträgt mittlerweile 60 Milliarden Euro. Die Bahn wurde kaputtgespart. Und die nächsten Jahre wird das auch nicht besser, sondern noch schlimmer.“ Seine Befürchtung ist, dass es aufgrund des Zustands des Schienennetzes zu weiteren Entgleisungen kommen könnte. „Es gibt viel zu viele Stellen im Bahnnetz, die ausgebaut werden müssten.“

Willi Pusch, Leiter einer Bürgerinitiative gegen von der Bahn verursachte Umweltschäden, wird gegenüber der "Bild"-Zeitung noch deutlicher: "Wenn die Sanierungsarbeiten immer wieder aufgeschoben werden, führt das zu weiteren Katastrophen. Die Bahn spielt hier mit Menschenleben!"

Update vom 07.06.2022, 11.39 Uhr: Ermittlungen gegen drei Bahn-Mitarbeiter - Verdacht der fahrlässigen Tötung

Die Staatsanwaltschaft München II hat nach dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen ein Ermittlungsverfahren gegen drei Personen wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung eingeleitet.  Bei den Beschuldigten handele es sich um Mitarbeiter der Deutschen Bahn, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München war am Freitagmittag kurz nach der Abfahrt entgleist. Vier Frauen und ein 14-Jähriger aus der Region starben, rund 40 Menschen wurden verletzt. Eine Frau ist weiter in einem kritischen Zustand. Unter den getöteten Frauen sind auch zwei Mütter aus der Ukraine, die mit ihren Kindern nach Bayern geflüchtet waren.

Die Ermittlungen zur Unfallursache führt eine Soko "Zug". Auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ist beteiligt.

Die Deutsche Bahn teilte mit, sich wegen der laufenden Ermittlungen derzeit nicht äußern zu können. "Selbstverständlich setzen wir alles daran, die ermittelnden Behörden bei der Aufklärung der Unfallursache zu unterstützen", sagte ein Bahnsprecher am Dienstag.

Update vom 07.06.2022: Eventuelle technische Defekte sollen abgeklärt werden

 Bei den Ermittlungen zur Ursache des tödlichen Zugunglücks von Garmisch-Partenkirchen rücken Schienen und Fahrgestelle ins Zentrum der Ermittlungen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Unfallursache werde "mit dem Schwerpunkt in Richtung technische Defekte gesucht". Fahrgestelle von Waggons seien sichergestellt worden, "und es wird im Moment auch überlegt, inwieweit einzelne Schienen oder Schwellen sichergestellt werden müssen. Auf jeden Fall werden die im Moment peinlichst genau untersucht und vermessen", sagte er am Montag (6. Juni).

Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt plante die Deutsche Bahn auf der Unglücksstrecke in Kürze Sanierungsarbeiten an den Gleisen. Demnach sollten vom 25. Juni bis 9. Juli zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen eine nächtliche Gleislageberichtigung und Schienenerneuerungen stattfinden. Die Deutsche Bahn habe auf Fragen der Welt dazu mitgeteilt, aufgrund der laufenden Ermittlungen könne sie sich hierzu derzeit nicht äußern.

Die Ermittlungen zur Unfallursache führt eine Soko "Zug" unter Leitung der Staatsanwaltschaft München II. Auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ist beteiligt. Ein Fehler des Fahrpersonals ist laut Herrmann im Moment nicht ersichtlich. Aber es werde immer noch in alle Richtungen ermittelt.

Update vom 06.06.2022: Bergungsarbeiten gehen weiter - Todesopfer identifiziert

Mit großen, schweren Geräten arbeiten die Einsatzkräfte weiter an der Unfallstelle des Zugunglücks von Garmisch-Partenkirchen. Am Sonntagabend waren die Arbeiten unterbrochen worden, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Am Montag sollte es weitergehen.

Die Unglücksstelle sei "gesichert, abgesperrt und bewacht", sagte er weiter. Die Aufräumarbeiten sind aufwendig - Kräne hieven die entgleisten Wagen auf eine Straße, dann werden sie zerlegt und mit Tiefladern abtransportiert. Am Sonntag hatte ein Bagger den ersten Wagen in zwei Hälften geteilt, eine Hälfte war dann mit einem Tieflader abtransportiert worden. Mit Hilfe eines 250 Tonnen schweren Spezialkrans sollte unter anderem die Lok wieder auf das Gleis gestellt werden. Diese und die restlichen Waggons sollten dann möglichst auf dem Schienenweg abtransportiert werden.

Die Arbeiten dürften noch einige Zeit dauern, so die Polizei. Auch bei der Bahn hieß es, es sei noch nicht abzuschätzen, wann die Strecke geräumt sei. Die Arbeiten wirken sich weiterhin auf den Straßenverkehr aus. Von der Autobahn 95 in Richtung Garmisch-Partenkirchen wird der Verkehr in Sindelsdorf (Landkreis Weilheim-Schongau) abgeleitet. Verkehr aus der Region Augsburg wird von der Bundesstraße 17 nach Füssen in Richtung Fernpass abgeleitet. Verkehr aus Mittenwald/Innsbruck wird bei Krün in Richtung Bundesstraße 11 geleitet.

Neben den Aufräumarbeiten gehen auch die Ermittlungen weiter, die Soko "Zug" arbeitet unter der Leitung der Staatsanwaltschaft München II. Die Identifizierung der fünf Todesopfer war am Sonntag weitgehend abgeschlossen. Vier Frauen und ein 14-Jähriger aus der Region kamen zu Tode, 40 Menschen wurden verletzt. Unter den getöteten Frauen sind auch zwei Mütter aus der Ukraine, die mit ihren Kindern nach Bayern geflüchtet waren. Ein Mensch schwebte am Montag noch in Lebensgefahr. Mehrere Verletzte seien auch noch im Krankenhaus, aber "über den Berg", sagte Innenminister Herrmann.

Update vom 05.06.2022: Vermisstenfälle konnten geklärt werden

Nach dem Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen hat die Polizei die letzten offenen Vermisstenfälle klären können. Mittlerweile wisse man von allen Menschen, die seit Freitagnachmittag als vermisst gemeldet worden waren, wo sie sind. Das teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Sonntag mit. Am Samstagmittag galten noch sieben Menschen als vermisst.

Bei dem Bahnunglück am Freitag nahe Garmisch-Partenkirchen waren fünf Menschen ums Leben gekommen. Zunächst galten auch zahlreiche Menschen als vermisst, weil die mehr als 40 Verletzten in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden waren und zudem noch unklar war, ob sich weitere Menschen unter den umgestürzten Wagen befanden.

Update vom 04.06.2022: Zahl der Todesopfer gestiegen - sieben Menschen noch immer vermisst

Tote, Vermisste, Dutzende Verletzte: Am Tag nach dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Eine männliche Leiche wurde am Samstag (04. Juni 2022) aus den Trümmern geborgen, wie die Polizei mitteilte. Medienberichte, wonach es sich dabei um einen Schüler handeln sollte, bestätigte die Polizei auf Anfrage nicht. Bei den anderen vier Toten handelte es sich nach Polizeiangaben um erwachsene Frauen.

Nachdem einer der zerstörten Waggons angehoben werden konnte, gingen die Einsatzkräfte nicht davon aus, noch weitere Todesopfer zu finden. Auszuschließen sei das aber nicht, sagte ein Polizeisprecher. Etwa sieben Menschen galten noch als vermisst. Möglich sei aber, dass sie unter den mehr als 40 Verletzten waren - darunter den Angaben zufolge auch mehrere Schwerverletzte.

Die Einsatzkräfte kämpften mit den Tücken einer komplizierten Bergung. Versuche, die Waggons beispielsweise mit Hebekissen anzuheben, waren zunächst gescheitert. Die Waggons seien "verdreht und verwunden", sagte ein Polizeisprecher. "Das macht die Bergung so schwierig. Man muss Schritt für Schritt vorgehen."

"Es ist ein unfassbares Ereignis", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei einem Besuch am Unglücksort. "Wir hoffen sehr, dass es keine weiteren Todesfälle gibt." Ein solches Unglück sei immer ein Schock und ein "Stich ins Herz". Es sei ein Zug gewesen, der für viele Schüler da war. "Man muss sich das jetzt so vorstellen: Es ist kurz vor den Ferien, im Zug ausgelassene Stimmung, in einer der schönsten Regionen, die Bayern ja hat - und dann passiert sowas und verändert möglicherweise ein Leben komplett." Zur Unfallursache gab es auch am Samstag zunächst keine neuen Erkenntnisse. Der Lokführer wurde nach Polizeiangaben zwar vernommen. Was er sagte, teilte die Polizei allerdings nicht mit. Sicher sei bislang nur, dass ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug ausgeschlossen werden könne. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Sprecher. "Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest. Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste", sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Seinen Angaben zufolge sollten im Laufe des Tages weitere Experten anreisen, um mögliche Gründe auszuloten. "Es geht jetzt darum, die Unfallursache genau und rasch zu klären." Auch Söder betonte: "Da sind die zuständigen Behörden dran." Die Strecke war nach Angaben eines Bahnsprechers mit elektronischen Stellwerken und moderner Sicherungstechnik ausgerüstet.

Am Freitagmittag waren mehrere Waggons der Regionalbahn mit insgesamt etwa 140 Menschen an Bord auf dem Weg nach München im Ortsteil Burgrain entgleist. Doppelstock-Wagen des Zugs kippten um, rutschen eine Böschung hinab und bleiben direkt neben einer Bundesstraße liegen. Einige Opfer erlitten schwerste Verletzungen und mussten notoperiert werden. Es war eines der schwersten Bahnunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte "mit großer Bestürzung": "Meine Gedanken sind bei den Verletzten und allen Angehörigen in diesen schweren Stunden", sagte er laut Mitteilung. "Allen Polizei- und Rettungskräften danke ich für ihren unermüdlichen und wichtigen Einsatz." Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen kündigte an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten - voraussichtlich Mitte nächster Woche - auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde. So soll weiterhin der Verkehr von der Autobahn 95 großräumig umgeleitet werden, die Fernstraße bleibt in Richtung Süden gesperrt.

Update von 19.45 Uhr: Ermittlungen zum Zugunglück beginnen

Nach dem Zugunglück beginnen die Ermittlungen zur Ursache. "Vor Ort laufen die ersten Arbeiten", sagte ein Polizeisprecher am Freitagnachmittag (3. Juni). Polizei und Staatsanwaltschaft wollten mit Hilfe von Sachverständigen des Eisenbahnbundesamts herausfinden, warum der Regionalzug auf der eingleisigen Strecke in Richtung München entgleiste. Die Polizei rechne mit "langwierigen Ermittlungen". Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, am Unglück sei "kein zweiter Zug und kein anderes Fahrzeug beteiligt" gewesen.

Derweil hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bestürzt über das Zugunglück geäußert. "Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen, bei den Verletzten, denen wir eine baldige Genesung wünschen", sagte er am Freitag den Sendern RTL und ntv. Man versuche, diejenigen zu retten, die gerettet werden könnten. Scholz sprach von "erschütternden Nachrichten" und "bedrückenden Bildern" von der Unfallstelle in Bayern. 

Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Bahnchef Richard Lutz wollen sich am Samstag vor Ort ein Bild machen. Das kündigte Wissing am Freitag in Berlin an. Er werde mit Lutz in die Region reisen. Lutz zeigte sich ebenso wie Wissing bestürzt über das Unglück bei Garmisch-Partenkirchen. Die Bilder seien schrecklich und machten tief betroffen und sprachlos, sagte Lutz. Die Bahn unterstütze die Ermittlungen der Behörden nach besten Kräften. Der Freitag sei nicht der Tag, um über die Unfallursache zu spekulieren.

Noch am Freitagabend werde für die Bundesregierung Innenministerin Nancy Faeser an der Unglücksstelle eintreffen, sie habe sich von der Innenministerkonferenz von Würzburg mit dem Auto auf den Weg gemacht, so Wissing.

Update von 16.49 Uhr: Bergung der Fahrgäste ist abgeschlossen

Nach dem Zugunglück mit vier Toten bei Garmisch-Partenkirchen ist die Bergung der Fahrgäste Polizeiangaben zufolge abgeschlossen. "So weit wir das überblicken können, sind alle Menschen aus dem Zug geborgen", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Die Rettungskräfte würden die Waggons des entgleisten Zuges aber sicher noch einmal in Ruhe durchsuchen. "In so einem Bereich zu arbeiten, ist nicht ungefährlich", sagte der Sprecher.

Demnach wurden bei dem Zugunglück am Freitagmittag (3. Juni) etwa 30 Menschen verletzt, 15 davon schwer. An diesen Angaben könne sich im Laufe des Abends aber noch etwas ändern, wenn Meldungen aus den Krankenhäusern zum Zustand der Patienten eingingen.

Wegen des Rettungseinsatzes nach dem Zugunglück blieben die Bahnstrecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und München sowie die parallel verlaufende Bundesstraße 2 gesperrt. Auf den Straßen in der Region kam es zu langen Staus. Die Sperrungen der Gleise und der Bundesstraße könnten "möglicherweise bis ins Wochenende" dauern, sagte der Polizeisprecher am Freitagnachmittag.

Update von 15.43 Uhr: Zahl der Todesopfer steigt auf vier

Die Zahl der Toten bei dem Zugunglück im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen hat sich auf vier erhöht. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden am Freitag zudem etwa 30 Menschen verletzt, 15 von ihnen kamen in Krankenhäuser.

Ursprüngliche Meldung: Zug bei Garmisch-Partenkirchen entgleist

Mindestens drei Menschen sind bei einem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen ums Leben gekommen. Ingesamt würden 60 Menschen mit Verletzungen behandelt, 16 davon mit schweren, sagte am Freitagnachmittag (3. Juni 2022) ein Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Es gebe zahlreiche Schwerverletzte, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen der Deutschen Presse-Agentur.

Der Regionalzug sei gegen Mittag Richtung München unterwegs gewesen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass zum Ferienbeginn viele Schüler in der Bahn waren. Der Zug sei vermutlich entgleist, so ein Sprecher der Bundespolizei - warum, war zunächst unklar. Drei Waggons seien umgekippt. "Die Menschen werden durch die Fenster gezogen", sagte der Bundespolizei-Sprecher. Das Unglück ereignete sich gegen 12.15 Uhr im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen. Unter den Verletzten seien "alle Altersgruppen".

Drei Waggons sind umgekippt

Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. "Es wurde Vollalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst", sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle im Oberland. Nach Angaben eines Sprechers der ADAC-Luftrettung waren sechs Rettungshubschrauber im Einsatz, drei davon vom ADAC. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag, sagte, es seien Anrufe von Bürgern eingegangen, dass ein Zug entgleist sei. Erste Leichtverletzte seien geborgen. Sie würden in einem nahegelegenen Gebäude gesammelt. Auch Angehörige seien schon vor Ort. 

Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberau. Züge aus Richtung München wenden vorzeitig in Oberau. Aus Richtung Mittenwald wenden die Züge vorzeitig in Garmisch-Partenkirchen. Ersatzverkehr sei in Planung, hieß es auf Twitter.

Nach dem Zugunfall mit mehreren Toten hat die Deutsche Bahn den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Einsatzkräfte und Mitarbeiter der DB seien am Unfallort, teilte das Bundesunternehmen in Berlin mit.