Die Pläne der Bundesregierung für erschwerte Krankschreibungen im Job kommen in der bayerischen Landeshauptstadt München gar nicht gut an. "Sollte es die Möglichkeit geben, von der geplanten Neuregelung abzuweichen, werden wir als Stadt München davon Gebrauch machen", kündigte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) an.
Laut Krause gehen die Pläne in eine völlig falsche Richtung: "Sie stellen Menschen unter Generalverdacht", sagte er und betonte: "Wer krank ist, sollte sich auskurieren können und nicht gezwungen sein, sich in überfüllte Praxen zu schleppen". Des Weiteren wies Krause darauf hin, dass viele Haus- und Kinderärzte in München ohnehin massiv überlastet seien und die Pläne der Bundesregierung diese Situation noch weiter verschärfen würden.
München kritisiert Bürokratieaufbau ohne Nutzen
Überdies hieß es in der Mitteilung des Rathauses: "Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag und das Ende der telefonischen Krankschreibung würden mehr Menschen mit leichten Infekten in Arztpraxen drängen und neuen Aufwand schaffen". Aus Sicht der Stadt sei das kein wirksames Mittel gegen Missbrauch, sondern Bürokratieaufbau ohne erkennbaren Nutzen.
Die Spitzen der schwarz-roten Koalition in Berlin hatten in dieser Woche angesichts hoher Fehlzeiten strengere Regeln vereinbart. Die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen auch ohne Praxisbesuch soll abgeschafft werden. Außerdem soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als gesetzliche Regel eingeführt werden - statt wie bisher am vierten Tag.
In Betrieben sollen abweichende Regeln vereinbart werden können - also wahrscheinlich bei städtischen Verwaltungen und im öffentlichen Dienst. Union und SPD erhoffen sich durch weniger Krankheitstage Impulse für die schwächelnde Wirtschaft.
Ministerin Gerlach: "Nur zusätzliche Bürokratie"
Und während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die geplanten Regeln mitverhandelt und öffentlich verteidigt hat, kritisiert seine Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) die Pläne der schwarz-roten Koalition zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. "Die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, bringt nur zusätzliche Bürokratie", sagte sie dem Radiosender Antenne Bayern. Nur rund ein Prozent der Krankschreibungen erfolge telefonisch. "Das heißt, der Gewinn ist relativ überschaubar."
Gerlach kritisierte auch die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag. Es brauche ein Konzept "mit Maß und Ziel", das die Praxen nicht überfordere. "Zukünftig kommt ohnehin mehr auf die Hausärzte zu, dort werden mehr Leute einen Termin benötigen. Jetzt ein System noch aufzubürden, das noch mehr Wandel in die Praxen bringt und noch mehr Patientinnen und Patienten, halte ich für falsch."