Mit Strahlenmessungen aus einem Helikopter bereiten sich die Behörden auf einen potenziellen Atomunfall vor. Obwohl in Deutschland keine Atomkraftwerke mehr in Betrieb sind, müsse man auf Zwischenfälle vorbereitet sein, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Letztlich geht es bei den gegenwärtigen Übungen in Schwaben auch um eine mögliche Havarie in einem Atomreaktor im Ausland. "Denn Radioaktivität macht nicht an Grenzen halt", betont das Bundesamt.

Derzeit finden daher in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei Testflüge statt. Helikopter der Bundespolizei sind bis Donnerstag (9. Juli 2026) südlich von Augsburg bei Mindelheim und Schwabmünchen sowie am Forggensee unterwegs, kündigte das Bundesamt an.

Überblick bei Atom-Havarie - Hunderte Quadratkilometer werden in Bayern untersucht

Die Maschinen starten jeweils vom Fliegerhorst in Kaufbeuren. Über Land fliegen sie die Testgebiete in einer Höhe von etwa 90 Metern ab. Nahezu 600 Quadratkilometer sollen so untersucht werden. Im April gab es solche Übungsflüge bereits grenzüberschreitend mit der französischen Strahlenschutzbehörde im Schwarzwald und im Elsass. Frankreich hat im Unterschied zur Bundesrepublik noch zahlreiche Kernreaktoren im kommerziellen Einsatz.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat für das Aufspüren von Strahlenquellen in Berlin und München flugtaugliche Messsysteme stationiert. Diese werden im Notfall von Helikoptern der Bundespolizei oder des Katastrophenschutzes aus betrieben.

Mit den Trainingsflügen wird dieser Ernstfall simuliert. "Gelangen zum Beispiel bei einem Unfall radioaktive Stoffe in die Umwelt, ist es für den Schutz der Bevölkerung entscheidend, schnell einen guten Überblick zu erhalten", erläuterte das Bundesamt. Strahlungsmessungen aus der Luft könnten dafür einen wichtigen Beitrag leisten. Innerhalb von drei Stunden kann nach Angaben des Bundesamtes eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern untersucht werden.

Kontamination in Deutschland nach Tschernobyl heute noch möglich

Wie weit Radioaktivität nach einem Atomunfall in die Umwelt gelangen kann, zeigte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine im Jahr 1986. Etwa zehn Tage lang wurden in der Kraftwerksruine große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt. Mehrere radioaktive Wolken zogen über Europa, in der ganzen Bundesrepublik wurde die Belastung gemessen und möglicherweise belastete Nahrungsmittel wurden vernichtet.

Nach Angaben des Bundesamtes können auch heute noch Waldpilze oder Wildschweine aus manchen Gebieten kontaminiert sein. Das aktuelle Testgebiet südwestlich von Augsburg gehöre zu den Gegenden in Deutschland, die am stärksten von dem Atomunfall vor 40 Jahren betroffen seien.

Die Fachleute erwarten daher, dass sie dort mit den Hubschrauberflügen außer den natürlich im Erdboden vorkommenden radioaktiven Stoffen auch Cäsium-137 nachweisen werden, das aus dem Unglücksreaktor stammt.

Stadt Bayreuth hisst Flagge gegen atomare Aufrüstung

Unterdessen hissen manche Städte am 8. Juli 2026 die sogenannte "Mayors for Peace"-Flagge vor den Rathäusern. So auch die Stadt Bayreuth, wie sie mitteilt. Damit setzen sie sich für nukleare Abrüstung und weltweiten Frieden ein. "Gegenwärtig spielen Atomwaffen wieder eine stärkere Rolle in der internationalen Sicherheitspolitik. Das nukleare Abrüstungsregime scheint geschwächt", so die Stadt.

Nach Experten-Schätzungen des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI verfügen demnach die neun Atommächte noch immer über 12.187 Atomsprengköpfe. Die Mitglieder des unter der Präsidentschaft von Hiroshima stehenden internationalen Netzwerkes "Mayors for Peace" erinnern am 8. Juli an ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs. Diesem zufolge verstoßen die Androhung des Einsatzes und der Einsatz von Atomwaffen generell gegen das Völkerrecht.

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