Flüchtlingshelfer sind fassungslos: Ein in Bad Abbach bei Regensburg lebendes dreijähriges Mädchen mit nigerianischen Wurzeln soll nach einem Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vom 11. Juli binnen 30 Tagen Deutschland verlassen, berichten die "Süddeutsche Zeitung" sowie die "Mittelbayerische Zeitung". Während sowohl die Mutter als auch die vierjährige Schwester des Mädchens für ein Jahr Bleiberecht erhielten, droht der Dreijährigen die Abschiebung nach Nigeria.


Bamf: Rückkehr nur im Familienverband

Die Behörde habe sich "aus datenschutzrechtlichen Gründen" nicht zu dem konkreten Fall äußern wollen, betonte in ihrer Stellungnahme allerdings: "In jedem Fall gilt, dass Kinder nicht ohne ihre Eltern in ihren Herkunftsstaat zurückkehren müssen, die Rückkehr erfolgt grundsätzlich im Familienverband." Die Sorge, dass ein Kind ohne die Eltern ausgewiesen würde, sei unbegründet.


Grünen-Politikerin: "Entscheidung hat alle verrückt gemacht"

Christine Kamm, asylpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, zeigte sich empört über das Vorgehen des Bamf: "Das ist unsäglich und zeigt einmal mehr, wie gedankenlos das Bundesamt Bescheide raushaut." Sie sei zwar nicht davon ausgegangen, dass man das in Regensburg geborene Mädchen direkt und alleine abschieben würde. "Aber diese Entscheidung des Bamf hat alle verrückt gemacht: Insbesondere die Mutter, die gerade erst wieder ein Kind entbunden hat - sowie auch die Menschen in Bad Abbach, die sich intensiv um die Kinder der Nigerianerin bemühen."

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Betreuerin hofft auf Rücknahme des Bescheids

Gegen den Bescheid muss die Mutter wohl gerichtlich vorgehen, auch ein Anwalt hat der Familie empfohlen, Klage zu erheben und einen Eilantrag zu stellen. Die Frist dazu läuft am 26. Juli ab. Waltraud Brombierstäudl, die die Familie betreut, hofft, dass das Bamf die Entscheidung zurücknimmt. "Ansonsten bedeutet das für die Mutter des Kindes unnütze Kosten, unnütze Klageverfahren", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Trotz allem zeigt die Helferin Verständnis für die Mitarbeiter des Bamf: "Diese Leute sind teilweise echt arm dran." Den Brief an die Dreijährige halte sie trotzdem für "kopflos".