"Die Sensation ist perfekt": Der Tierpark Hellabrunn in München wird ab 2028 zwei Große Pandas beherbergen. Das gibt der Zoo - unter dieser Überschrift - in einer Mitteilung vom Mittwoch, 21. Januar 2026, bekannt. Bei einer feierlichen Unterzeichnung im Elefantenhaus stellten unter anderem Ministerpräsident Markus Söder, Münchens Bürgermeisterin Verena Dietl,  Hellabrunns Tierparkdirektor Rasem Baban und der chinesische Botschafter Deng Hongbo das Prestigeprojekt vor.

Demnach entstehe das geplante Panda-Gehege im östlichen Teil des Zoos, angrenzend an die asiatische Dschungelwelt. Die neue Anlage wird etwa 5000 Quadratmeter umfassen und sowohl Innen- als auch Außengehege bieten. Besonderer Wert wird auf eine naturnahe Gestaltung mit großzügigen Bambusflächen, Wasserzonen und Rückzugsbereichen gelegt. Der bestehende Baumbestand soll weitestgehend integriert werden, um eine möglichst natürliche Umgebung für die Tiere zu schaffen. Die Kosten von rund 18 Millionen Euro übernimmt der Freistaat Bayern vollständig, so der Bayerische Rundfunk.

Große Pandas im Tierpark Hellabrunn: München im exklusiven Kreis der Panda-Zoos weltweit

Mit der Ankunft der Großen Pandas im Tierpark Hellabrunn wird München in einen erlesenen Kreis aufgenommen: Weltweit leben laut Tierpark-Angaben und der Wikipedia außerhalb Chinas aktuell nur rund 51 Große Pandas in 19 bis 25 Zoos weltweit. Die Angabe schwankt, weil einzelne Tiere zum Beispiel zwischen zwei Einrichtungen pendeln, manche Zoos zeitweise leer stehen oder kurzfristig Pandas nach China zurückkehren. Auch Verträge, Übergangsphasen und politische Entscheidungen führen dazu, dass die genaue Zahl der Panda-Zoos nicht immer eindeutig ist.

Die Vergabe dieser Tiere ist streng limitiert und erfolgt ausschließlich im Rahmen internationaler Kooperationen und Leihverträge mit China.

"München wird Panda City!", erklärte der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder laut Mitteilung bei der Bekanntgabe der Pläne. Die künftige Panda-Haltung bezeichnete er als einmalige Attraktion und Besuchermagneten: "Bayern wird damit der achte Panda-Standort in der EU. Europaweit ist es sogar einmalig, dass es mit Berlin und nun auch München in einem Land zweimal Pandas gibt."

Verteilung von Zoos mit Pandas

In der Tag zeigt die Verteilung der Panda-Zoos zeigt eine klare europäische Dominanz: Europa stellt mit mindestens neun Standorten den Kontinent mit den meisten Zoos außerhalb Chinas, die Große Pandas halten dürfen. In Deutschland wird es neben Berlin künftig auch in München Pandas geben – einzigartig in Europa, so Hellabrunn. Die übrigen Panda-Zoos verteilen sich auf Asien, Nordamerika und Australien; Südamerika und Afrika haben keine Einrichtungen mit Großen Pandas.

Gemäß Wikipedia und Pro Wildlife sind die wichtigsten Panda-Zoos weltweit (nach Kontinenten sortiert):

  • Europa
    • Zoo Berlin (Deutschland)
    • Tierpark Hellabrunn (München, Deutschland, ab 2028)
    • Tiergarten Schönbrunn (Wien, Österreich)
    • ZooParc de Beauval (Saint-Aignan, Frankreich)
    • Pairi Daiza (Brugelette, Belgien)
    • Zoo Madrid (Spanien)
    • Ouwehands Dierenpark (Rhenen, Niederlande)
    • Kopenhagen Zoo (Dänemark)
    • Ähtäri Zoo (Finnland)
    • Edinburgh Zoo (Schottland/Großbritannien)
  • Asien (außer China)
    • Ueno Zoo (Tokio, Japan)
    • Adventure World (Shirahama, Japan)
    • Kobe Oji Zoo (Japan)
    • Zoo Negara (Kuala Lumpur, Malaysia)
    • Chiang Mai Zoo (Thailand)
    • Taman Safari (Indonesien)
    • Taipei Zoo (Taiwan)
    • River Wonders/Safari (Singapur)
    • Al Khor Park (Katar)
    • Ocean Park (Hongkong)
  • Nordamerika
    • Smithsonian National Zoo (Washington, USA – bis 2023, Rückgabe der Tiere)
    • Zoo Atlanta (USA)
    • Memphis Zoo (USA – Tiere kehren 2023 zurück nach China)
    • San Diego Zoo (USA – aktuell keine Pandas)
    • Chapultepec Zoo (Mexiko-Stadt, Mexiko)
  • Australien
    • Adelaide Zoo (Australien)
  • Südamerika und Afrika
    • Derzeit keine Haltung von Großen Pandas

Pavian-Umzug und Hoffnung auf Besucherattraktion

Mit der Ankunft der Pandas steht auch ein größerer Umbau im Tierpark an. Für das neue Gehege müssen die derzeit dort lebenden Paviane, Lamas und Alpakas umziehen. Während die Paviane den Zoo ganz verlassen, bleiben die Huftiere auf dem Gelände. Die Mantelpaviane werden laut dem Bayerischen Rundfunk in andere europäische Zoos abgegeben, was im Einklang mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm geschieht. Ziel ist eine konsequente Umsetzung des "Geozoo"-Konzepts, bei dem Tiere nach Kontinenten sortiert gehalten werden.

Die geplante Panda-Anlage soll höchsten internationalen Standards für moderne Tierhaltung entsprechen. Neben dem Tierwohl stehen Artenschutz und Bildung im Vordergrund: Die Besucher können alles über die Lebensweise der Großen Pandas, ihren natürlichen Lebensraum und die weltweiten Bemühungen zu ihrem Schutz erfahren. Die Betreuung der Tiere erfolgt in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen chinesischen Experten, um auch die Voraussetzungen für eine eventuelle Nachzucht zu schaffen.

Die Tiere gelten als große Besuchermagnete – in Hellabrunn erwartet man daher einen spürbaren Anstieg der Besucherzahlen, die aktuell bei rund zwei Millionen pro Jahr liegen. Wie der Tierpark erklärt, sei das Projekt das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Tierpark, dem Freistaat Bayern, der Landeshauptstadt München und chinesischer Partnerorganisationen. Dazu gehören die China Wildlife Conservation Association und das"China Conservation and Research Center for the Giant Panda" in Chengdu. 

Herausforderungen und Kritik

Die Haltung der Pandas ist auch ein Beispiel für die sogenannte "Panda-Diplomatie". Die Tiere werden keineswegs verschenkt, sondern für eine hohe jährliche Gebühr von China ausgeliehen. Über die genaue Höhe wurde Stillschweigen vereinbart, in anderen europäischen Zoos liegt sie jedoch oft bei etwa einer Million Euro pro Jahr. Der Beitrag dient Tierpark-Angaben zufoge dem Artenschutz und fließt in die Schutzprogramme für Große Pandas in China. Auch die Münchner Haltung ist eng mit dem internationalen Artenschutzprogramm verknüpft.

Die Ankunft der Pandas macht München zur "Panda City" und bringt nicht nur tierische Attraktion, sondern auch internationales Renommee und wissenschaftliche Zusammenarbeit – ein echtes Highlight für Bayern und ganz Europa. Möglich macht das ein Leihvertrag, den der Tierpark mit China unterzeichnet hat.
Peter Kneffel/dpa

Kritik kommt von Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife. Sie argumentieren, dass die Zucht und Haltung von Pandas in westlichen Zoos mehr ein finanzielles und politisches Geschäft als echter Artenschutz sei. Die Tiere würden in China seit Jahren in großer Zahl gezüchtet, ohne dass viele davon ausgewildert werden. Die Organisation bezweifelt daher, dass die Leihgebühr tatsächlich einen relevanten Beitrag zum Erhalt der Wildpopulation leistet, berichtet der Bayerische Rundfunk. Der Tierpark Hellabrunn betont hingegen die wissenschaftliche Bedeutung und die internationale Zusammenarbeit, die bei diesem Projekt im Vordergrund stehen.

Die Versorgung der Pandas ist anspruchsvoll: Ein Tier verspeist täglich bis zu 40 Kilogramm Bambus, dazu kommen Obst, Gemüse und ein spezieller "Panda-Kuchen", der alle notwendigen Nährstoffe enthält. Die Kosten für die Verpflegung und Pflege sind entsprechend hoch, sollen jedoch durch die erwarteten Besucherzuwächse und die finanzielle Unterstützung des Freistaats Bayern gedeckt werden.

Der Spatenstich für die neue Anlage ist für 2026 geplant, die Eröffnung dann Anfang 2028. Die Tiere bleiben zunächst zehn Jahre in München, bleiben aber Eigentum Chinas. Die neue Panda-Anlage sei den Worten von Ministerpräsident Söder zufolger ein klares Signal für "Artenschutz made in München und Bayern" und soll den Tierpark Hellabrunn in den kommenden Jahren als internationale Adresse für Artenschutz und Forschung weiter stärken. 

Eine eigene FAQ-Seite zum Panda-Projekt bietet der Zoo online an und informiert über weitere Details und den aktuellen Stand der Entwicklungen.